Letzter Tag in Schweden

4. April 2010

Am Freitag bin ich nach meinem Skåne-Trip um 8 Uhr Abends in Stockholm angekommen. Da ich mein Zimmer schon Ende März abgeben musste, durfte ich die letzte Nacht auf dem kuschelig-ungemütlichen Boden in Chris‘ Zimmer schlafen. Chris kommt aus München und hat mich gefragt, ob ich mit ihm in den Fasching Jazz-Club an ein Konzert komme. Dieser Club wurde 1977 gegründet. Nachdem ich in den letzten 2 Wochen fast alles nachgeholt habe, dass ich in Schweden tun wollte, war ein Fasching-Besuch etwa das letzte auf meiner To-do-Liste in Stockholm. Darum bin ich vom Bahnhof direkt zum Fasching gegangen und habe mit Chris ein super Jazz-Konzert genossen.

Nach dem Konzert sind wir in eine Bar gegangen, die von sich behauptet 500 Biersorten im Angebot zu haben. Ich habe mich für ein Bornem Dubbel aus Belgien entschieden. Nach dem ersten Schluck entdeckte ich ziemlich viel Satz am Boden des Glases. Das kam mir suspekt vor und darum suchte ich das Ablaufdatum auf der Flasche: 17.12.2007. Aha. Der Bartender meinte, dass sei bei Belgischen Bieren normal: je älter das Bier, umso mehr Geschmack. Wie beim Wein. Zum Beweis zeigte er mir das gezapfte Bier: Expiry date 2006. Jawohl. Hmm, ich war ein bisschen misstrauisch. Zu Hause schaute ich dann im Internetz nach, ob das auch stimmt. Und tatsächlich, belgisches Bier ab 5 vol-% kann ziemlich lange trinken. Was dann aber das Ablaufdatum auf den Flaschen soll, verstehe ich nicht ganz. Auf alle Fälle habe ich das Bier ohne Verdauungsprobleme überlebt.

Nach einer recht harten Nacht auf dem Boden brachen wir am Morgen bei perfektem Wetter auf nach Lidingö. Eine kleine Eisenbahn, Lidingö-Bana genannt, fährt auf diese Halbinsel im Norden von Stockholm.

In Lidingö genossen wir die wunderschöne Aussicht auf die Schären bei perfektem Wetter mit Sonnenschein und ziemlich frühlingshafter Temperatur.

Blick in die Ferne

Tax-Free-Fähre

Älterer Herr und Philipp und seine Freundin

Da nur rumsitzen ziemlich langweilig ist, machten wir eine kleine Wanderung durch das Hochgebirge auf Lidingö. Das war für uns alpenerprobte Zeitgenossen natürlich kein Problem, trotz widrigen Umständen mit glitschigen steilen Felsen und „Schneefeldern“.

Lidingö’er Hochgebirge

Auf der Bergspitze haben die Bonzen von Stockholm ihre Paläste erbaut

Beim Abstieg habe ich dann noch ein hübsches Souvenir gefunden: eine Schwedenflagge, die ein Schiff verloren hatte. Die wird nun meine zukünftige Wohnung schmücken.

Am Wasser fanden wir auch diese Kunstwerke:

My precious

Den Tag rundeten wir bei einem hässlich bitteren Filter-café in der Sonne ab.

Friede, Freude, Eierksuchen

Am Bahnhof stach mir dann noch dieses Plakat eine Kinderhilfswerks ins Auge:

Ernst Kirchsteiger wurde neulich in Sierra Leone geboren. Er hat ein 26%-iges Risiko seinen fünften Geburtstag nicht zu erleben.

Am Abend machte ich mich dann richtung Flughafen auf. Die Option mit dem gratis ÖV dorthin zu gelangen war nicht mehr möglich, da die Zeit zu knapp war. Darum entschied ich mich für den verdammt teuren (35 Stutz) aber schnellen Arlanda-Express. Timing war perfekt: in 10min sollte es los gehen. Als der Zug endlich ankam, wurde mir mitgeteilt, dass der Zug gestrichen wurde. Ja super. Drecksfirma. Schnell Ticket zurückerstatten und zum Flughafenbus rennen.

10min 30min Wartezeit.

Der fuhr mir grad vor der Nase ab. 15min warten. Der Bus hat 40min und Last-Check-in-Time ist in 35min. Das wird knapp. Am Flughafen waren sie dann aber so lieb und nahmen mein Gepäck mit 6kg Übergewicht und sogar mein Unihockey-Schläger als Spezialgepäck noch entgegen. Glück gehabt.

Auf dem Weg zum Flughafen konnte ich nun endlich noch ein Foto vom speziellsten Hotel am Flughafen schiessen: ein umfunktionierter Jumbo-Jet

Jumbo-Hotel

Meine letzten Augenblicke in Schweden waren wunderschön und ich werde mich gerne an die gute Zeit erinnern die ich hier erleben durfte.

„Flygplan mot Zürich. Tag plats! Se upp för dörrarna! Dörrarna stängs!“

Goodbye Sverige, Schweiz ich komme!!!

Damit endet nun mein Schweden-Blog. Vielleicht gibt es ja irgendwann wieder eine Fortsetzung aus einem anderen Land.

Ich glaube mich knutscht ein Elch…

3. April 2010

Wie man merkt, dass man schon zu lange in Schweden ist:

  1. Wenn man eine Bank, Post,… betritt sucht man zuerst den Nummern-Spender
  2. Findet man diesen nicht, fühlt man sich nicht ganz wohl
  3. Man steigt im Bus nur vorne und zeigt dem Fahrer das Ticket
  4. Sieht man im Bus eine junge Person vorne im Bus sitzen, wundert man sich: „Was denkt dieser Schnösel eigentlich?!“
  5. Der einzige Grund eine Baltikum-Fähre zu nehmen ist der duty free Alkohol
  6. Ein scharfer Einatmen-Laut wird Teil deines Vokabulars: „Jah hahh“
  7. Du bringst Erbsensuppe und Pfannkuchen mit Donnerstag in Verbindung
  8. Du bringst Ragmunk mit Dienstag in Verbindung
  9. Du bringst den gang zum System Bolaget mit Freitagnachmittag in Verbindung
  10. Sonntag ist nicht mehr nur ein langweiliger Tag, denn alle Läden haben offen
  11. Alle V und W sind zusammen im Telefonbuch aufgelistet
  12. Im Alphabet kommt ä und ö nach x,y,z. Und es heisst nicht A bis Z sonder A bis Ö.
  13. Umarmungen und Wangenküsse sind fürs sexuelle Vorspiel reserviert
  14. Confiture passt zu den meisten Mahlzeiten
  15. Temperaturen zwischen 0 und 5°C werden als mild wahrgenommen
  16. Man denkt, im Winter Velo zu fahren ist die normalste Sache der Welt
  17. Bei -10°C draussen zu stehen und mit Leuten zu quatschen ist kein Problem
  18. Glacé essen bei -15°C passt
  19. 40 Franken für den billigsten Vodka im System Bolaget ist ein Schnäppchen
  20. Das Alterslimit von 20 Jahren in Bars erscheint sinnvoll
  21. Man denkt es ist lustiger zu Hause zu trinken als in eine Bar zu gehen
  22. Man greift 20 mal im Tag vergeblich nach seinem Natel weil rundherum Handys klingeln
  23. Eine junge Frau mit brennenden Kerzen auf dem Kopf zu sehen irritiert dich nicht
  24. Die meisten deiner schwedischen Kollegen haben dieselben Vornamen und man braucht immer beide Namen und die verschiedenen Leute unterscheiden zu können
  25. Die meisten „Postbüros“ sind beim Kundendienst in Einkaufszentren
  26. Man wundert sich nicht, dass Pakete nicht zugestellt werden und man sie am Kundendienst in einem Supermarkt abholen muss.
  27. Wenn man ein Bier spendiert kriegt sucht man zuerst auf der Flasche den  Alkoholgehalt
  28. Man denkt es sei normal dass ALLES reguliert ist
  29. Wenn man das Wort SEX hört, denkt man an ein halbes Dutzend
  30. „Es ist 5 Grad draussen“ heisst nicht unbedingt plus 5, es kann auch minus 5 sein
  31. In der Schweiz ist es 1 Grad kalt und in Stockholm 1 Grad warm
  32. Eine super Sonntagnachmittag Beschäftigung ist ein Besuch eines Bandy-Spiels bei -20°C
  33. Man stört sich nicht mehr an den herumliegenden ausgespuckten Snus-Beuteln
  34. Man bestellt nur noch Pizza mit Spargel, Bananen und Bernaise Sauce und fragt sich warum es das im Rest der Welt nicht gibt
  35. Weihnachten werden mehr mit Kalle Anka (Donald Duck) als mit Christchindli oder Santa Clause in Verbindung gebracht
  36. Du denkst, dass Leute die andere Kleider als Schwarz, Grau oder Weiss tragen Exhibitionisten sind
  37. „Godis“ und „Glass“ werden Teil deiner Grundnahrung
  38. Du rufst eine Person im nächsten Raum auf ihrem Natel an, anstatt rüber zu laufen
  39. 25% Mehrwertsteuer ist kein Problem
  40. Du kannst „fick“, „titta“ und „sex“ im selben Satz verwenden ohne zu kichern
  41. Wenn man von Wochen spricht, verwendet man nur ihre Nummer
  42. Du kennst die Katalog Nummer von deinen Lieblingsgetränken im System Bolaget
  43. Du denkst dass der schwedische Song beim Eurovision Song Contest ein riesen Hit ist
  44. Du findest es nicht mehr unerträglich in voller Winterkleidung in einem überheizten Geschäft rumzulaufen
  45. Man sucht nicht mehr Toiletten die speziell für Männer oder Frauen gekennzeichnet sind
  46. Du weisst, dass du heimstressen musst, damit dein Glacé nicht zu hart wird
  47. Du schätzt es „lagom“ anstatt „nicht zu viel und nicht zu wenig“ sagen zu können
  48. Dein Portemonnaie enthält mehr Plastik als Geld
  49. Die Idioten in deinen Witzen sind nicht mehr die Österreicher sondern die Norweger
  50. Du akzeptierst, dass du 2 Jahre in einer Warteliste sein musst bist du eine Wohnung mieten kannst

Lund

2. April 2010

Gegründet um 990 n. Chr. vom dänischen Wikingerkönig Sven Gabelbart, gilt Lund gleichauf mit Sigtuna als älteste Stadt Schwedens. Mit Einführung des Christentums um 1050 wurde Lund ein kirchliches Zentrum und im Jahre 1060 sogar Bischofssitz. 1085 wurde mit der Katedralskolan, die älteste Schule Skandinaviens  gegründet. Im Jahr 1103 wurde mit dem Dom zu Lund der nun älteste Dom Skandinaviens errichtet. Ihre größte Blütezeit erlebte die Stadt im 13. und 14. Jahrhundert als bedeutendste Stadt Dänemarks. In den Folgejahren blieb Lund eine der bedeutendsten Städte Dänemarks, verlor aber mit dem Aufstieg Malmös im 15. Jahrhundert an Bedeutung: Nachdem erst der Feldzug Karls VIII. von Schweden nach Schonen 1452 dem Wohlstand der Stadt einen schweren Schlag versetzt hatte, sank sie durch die Reformation und die damit einhergehende Trennung von Religion und Staat  vollends in einen Zustand von Verfall und Bedeutungslosigkeit. Mit Ausnahme des Doms und der Klosterkirche Sankt Peters wurden die übrigen Kirchen niedergerissen, die Häuser verfielen und Plätze blieben unbebaut. Die folgenden Kriegsjahre unter Karl XI. und unter Karl XII., mit dem Frieden zwischen Schweden und Dänemark, vollendeten den Abstieg der Stadt. Es dauerte lange, bis Lund, vor allem durch die 1666 gegründete Universität, wieder überregionale Bedeutung gewann. Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts schien Lund, vor allem durch die Universität, zu altem Glanz zurückzugelangen.

Bahnhof von Lund

Dom zu Lund von 1103

Gleich neben dem Dom liegt die Bibliothek des Doms

Auf der anderen Seite befindet sich das Königshaus und das Universitätshauptgebäude. Nach der Gründung in 1666 wurde 1668 die Universität eingeweiht. Damit ist die Universität Lund nach der Universität Uppsala (gegründet 1477), die zweitälteste Universität Schwedens.

Universitätshauptgebäude

Gebäude der Akademischen Vereinigung

Universitätsbliothek

Das Gebäude der Juristen

Und gleich noch ein Unigebäude

Das Kungshuset wurde zwischen 1578 und 1584 erbaut. Das Haus diente ursprünglich als Residenz für die Statthalter des Dänischen Königs, welche bei Besuchen auch selbst im Haus wohnten. Zwischen 1716 und 1718 residierte Karl XII. im Gebäude und regierte Schweden.

Kungshuset

Klosterkirche Sankt Peter aus dem 13ten Jahrhundert

Die Allhelgonakyrkan (Allerheiligenkirche) wurde 1891 eingeweiht und ist mit 72 Metern das höchste Bauwerk der Stadt.

Wichtigster Platz und Mittelpunkt der Stadt ist Stortorget mit dem Rathaus (Rådhuset)

Clemens Torget

Grand Hotel

Altes Riegelhaus

Nachdem ich die Stadt kannte spazierte ich bei Sonnenschein ein wenig durch den botanischen Garten und den Stadtspark.

Im Stadtspark

Marco, Peters Sohn, König des Stadtparks

Altes Observatorium im Stadtpark

Dann noch zwei Kuriositäten. Am Clemens Torg stand diese Werbesäule. Irgendwas mit den Schatten stimmt meiner Meinung nach nicht. Da wurde wohl ein bisschen zu viel ge-photoshoped.

Das zweite ist typisch schwedisch. Ein Geschäft, indem man nur noch mit Karte bezahlen kann und kein Bargeld annimmt:

Bargeldloses Geschäft

København = Köpenhamn = Kopenhagen

1. April 2010

Heute machte ich einen Abstecher über den Öresund nach Dänemark. Genau gesagt in die Dänische Hauptstadt Kopenhagen. Die Stadt hat etwa eine halbe Million Einwohner und zählt zu den wichtigsten Städten in Nordeuropa.

Geschichtslektion à la Wikipedia:

Im 12. Jahrhundert wurde am Øresund  eine Burg errichtet, die einen kleinen Handelshafen. Entsprechend erhielt auch die mit der Burg neu gestaltete Siedlung  den Namen Køpmannæhafn („Kaufmännerhafen“). 1254 erhielt das junge Kopenhagen von Bischof Jakob Erlandsen sein erstes Stadtrecht, allerdings wurde die Stadt in den Jahren 1362 und 1368 als unliebsamer Konkurrent der Hanse zusammen mit der Burg zerstört. Die Entwicklung ließ sich jedoch nicht mehr aufhalten: 1416 wurde die wiederaufgebaute Stadt Residenz des Königs. Von 1658 bis 1659 hielt die Stadt einer Belagerung stand, während das übrige Dänemark von den Schweden vollständig besetzt war. Im 18. Jahrhundert starb nach Pest und Seuchen ein Drittel der Stadtbewohner. 1728 sowie 1795 wüteten zwei Stadtbrände. Der Wiederaufbau führte zur heutigen, vom Baustil des 18. Jahrhunderts geprägten Altstadt. 1848 zwangen öffentliche Demonstrationen in Kopenhagen König Frederik VII. zu Reformen und dem Erlass eines Grundgesetzes. Mit den nationalen Spannungen und Dänemarks Verlust von Schleswig und Holstein im Krieg von 1864 verließen auch viele deutschsprachige Beamte und Kaufleute die Stadt, die sie bis dahin jahrhundertelang mitgeprägt hatten.

Vom Bahnhof machte ich mich auf Richtung Rathaus, zur alten Universität, zum Rosenborg slot, zur Amalienborg und dann zum Kastell.

Hauptbahnhof Kopenhagen

Axeltorv Gebäude am Axeltorv

An diesem Platz befindet sich auch der Zirkus

…und ebefalls dieses sehr spezielle Kino (Palads)

Gegenüber vom Hauptbahnhof liegt der Tivoli, einer der ältesten Freizeitparks  der Welt. Weil der aber erst in 15 Tagen öffnet, gibts halt keine Fotos.

Ny Carlsberg Glyptotek ist ein Museum, das antike Skulpturen des Mittelmeerraums wie die Ägyptens, Roms und Griechenlands beherbergt

Die Feuerwehr

Der Rathausplatz (Rathaus rechts wurde 1905 eingeweiht). Der Rathausturm ist mit 105,6 Metern Dänemarks höchster Turm. Hier befinden sich auch der Anfang der Einkaufsstrassen Strøget und Strædet. Sie bilden mit über einem Kilometer Länge eine der längsten Fussgängerzonen Europas. Unterwegs befindet sich der Nytorv

Der Nytorv mit dem Domhus (Säulen)

Vor Frue Kirke (1829)

Die Sankt Petri Kirke ist die älteste erhaltene Kirche in der Kopenhagener Innenstadt. Turm, Mittelschiff und Chor stammen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Die Universität Kopenhagen wurde im Jahr 1479 gegründet und ist damit nach der Universität Uppsala die zweitälteste Hochschule in Skandinavien

Weiter nördlich liegt der 34.8 Meter hohe Runde Turm (Runde Tårn).An den Turm schließt sich die Dreifaltigkeitskirche (Trinitatis Kirke) an.

Ein 209 Meter langer, stufenloser Wendelgang führt auf diesen zwischen 1637 und 1642 erbauten Aussichtsturm  hinauf.

Panorama vom runden Turm

Das Schloss Rosenborg (Rosenborg Slot) wurde 1607 bis 1617 als Sommerresidenz für Christian IV erbaut. Links davon befindet sich die Kaserne

Staatliches Museum für Kunst

Die Frederikskirche (Frederikskirken), auch Marmorkirche genannt, ist ein von Nicolai Eigtved entworfenes und 1740 begonnenes, 84 m hohes Gotteshaus mit einer 45 m hohen, freskengeschmückten  Kuppel, eine der größten Europas und ein Abbild des Petersdoms  in Rom. Geldmangel führte zu einer längeren Baupause. Erst durch die finanzielle Unterstützung eines Großindustriellen konnte die Kirche 1894 fertiggestellt werden. Im Inneren sind Denkmäler  bedeutender kirchlicher Persönlichkeiten, wie Moses oder Martin Luther, aufgestellt.

Marmorkirche

Unmittelbar neben der Kirche befindet sich das Schloss Amalienborg. Das Schloss, in dem die Königin lebt, wurde 1749 bis 1760 errichtet und besteht aus vier gegenüberliegenden Palästen. In der Mitte des großen, achteckigen Schlossplatzes (Amalienborg Plads) steht das Reiterstandbild Frederiks V. Jeden Mittag um zwölf Uhr findet hier die Wachablösung der Garde statt. Das war sooooo langweilig ;-)

Schloss Amalienborg

Nördlich von Schloss Amalienborg erstreckt sich das Kastell  (Kastellet), ein Überbleibsel der alten Stadtbefestigung.

Kastel

Kirche am Wassergraben vom Kastell

Unterhalb der Festungswälle verläuft die Promenade Langelinie, die direkt zur kleinen Meerjungfrau führen würde. Die 1,25 Meter große Kleine Meerjungfrau (dän. Den lille Havfrue) ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt und wurde 1913 eingeweiht. Ich fand eigentlich schon immer komisch, warum eine einzelnde Statue ein Wahrzeichen sein kann und von dermassen vielen Leuten fotografiert wird. Glücklicherweise wurde mir die Entscheidung, ob ich auch ein Foto machen soll oder nicht, abgenommen. Ende März 2010 wurde die Figur von ihrem angestammten Platz entfernt, um von Mai bis Oktober desselben Jahres im dänischen Pavillon auf der Expo  in Shanghai  ausgestellt werden zu können. Darum müsst ihr euch nun halt mit einer anderen Jungfrau begnügen:

Die kleine Meerjungfrau

Nach der herben Enttäuschung weil die Meerjungfrau nicht dort war, marschierte ich in die Stadt zurück. Den nächsten Stop legte ich beim Kongens Nytorv ein, wo man eine wunderschöne Sicht auf den Nyhavn hat.

Nyhavn: so muss doch Skandinavien einfach aussehen

Nachdem ich mich an der schönen Aussicht ergözt habe, schwenkte ich wieder in die lange Einkaufsstrass ein und besichtigte entlang der Strasse was ich bis anhin noch nicht gesehen hatte.

Königlich Kopenhagen bezeichnet die Manufaktur  der Königlichen Porzellanfabrik in Dänemark  (in Dänisch: Den kongelige Porcelænsfabrik) und das von dieser hergestellte Porzellan.

Die Helligånds Kirke wurde im 14. Jh. gebaut und war Teil des Heiliggeistklosters, in dem sich Priester und Ammen um Kranke und Findelkinder kümmerten.

Die Uralte St. Nikolaj Kirche hat seit 2006 einen neuen Zweck. Sie dient nun als Kunstausstellung. Sehr speziell

Nun wechselte ich auf die Insel Slotsholmen, auf welcher das Christiansborg Slot beheimatet ist. Das Schloss Christiansborg (Christiansborg Slot), das seit 1918 Sitz des Parlaments  ist, befindet sich an der Stelle der von Bischof Absalon im Jahre 1167 erbauten ersten Burg Kopenhagens. Der heutige Gebäudekomplex mit dem 90 Meter hohen Schlossturm entstand während einer mehr als zwanzigjährigen Bauzeit in den Jahren 1907 bis 1928. An der Nordseite des Schlosses steht die 1826 vollendete klassizistische  Schlosskirche (Slotskirke).

Christiansborg Slot

Unmittelbar neben dem Schloss Christiansborg befindet sich die Kopenhagener Börse (Børsen). Dieser Renaissancebau entstand zwischen 1619 und 1640 und ist mit seinem 54 Meter hohen Turm in Form von verschlungenen Drachenschwänzen ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Bis 1974 diente das Gebäude dem ursprünglichen Zweck als Kopenhagener Börse.

Börse

Ebenfalls neben dem Schloss liegt die Königliche Bibliothek Dänemarks, die Nationalbibliothek.

Holmens Kirke war seit 1562 eine Ankerschmiede der militärischen Dockeinrichtungen, bevor das Gebäude 1619 zu einer Kirche für die Angehörigen der Königlichen Marine umgewandelt wurde. Nach Erweiterungen im 17. Jahrhundert wurde 1705-08 die Kapelle hinzugefügt. 1967 heiratete hier Königin Margarethe II

Holmens Kirke

Andere Gebäude auf Slotsholmen

Nachdem ich so ziemlich alles auf Slotsholmen angeschaut habe, machte ich mich auf zur nächsten Insel. Von der Börse führt eine interessante Klappbrücke zur im Stadtteil Christianshavn gelegenen Erlöserkirche (Vor Frelsers Kirke). Diese barocke Kirche aus den Jahren 1602 bis 1692 besitzt den mit 93 Metern zweithöchsten Turm Kopenhagens.

Vor Frelsers Kirke

Auf Chrisitanshavn steht aber noch eine viel interessantere Sehenswürdigkeit. Die Freistadt Christiania (auch Das freie Christiana) ist eine „alternative“ Wohnsiedlung im Kopenhagener Stadtteil Christianshavn, die seit 1971 besteht. Das ehemalige Militärgelände der Bådsmandsstrædes-Kaserne umfasst ein 34 Hektar großes Gebiet auf den historischen Wallanlagen der Stadt. Von ehemals einigen Tausend Hippies, Aussteigern, Anarchisten  und sonstigen Lebenskünstlern blieben heute rund 900 Menschen, teils nunmehr in der zweiten und dritten Generation. Die Bewohner betrachten sich selbst als in einer Freistadt  lebend, die sich unabhängig von den staatlichen Behörden verwaltet. Sie haben jedoch ihre eigenend Gestze aufgestellt. Die wichtigsten Regeln sind:
* Keine harten Drogen
* Keine Rockerwesten mit Klubabzeichen
* Keine Waffen
* Keine Gewalt
Mir machte die ganze Szenerie einen recht friedlichen Eindruck. Es lag eine Art Openair-Sangalle Stimmung in der Luft: Musik, Alkohol, Drogen. So werden zum Beispiel auf der „Hauptstrasse“ offen Haschisch und Marihuana angeboten. Und das nicht gerade in kleinen Mengen. Natürlich ist das der rechts-bürgerlichen Regierung ein Dorn im Auge und versucht per Staatsgewalt Christiania zu räumen. Dies ist jedoch kein leichtes Unterfangen und ist bis jetzt nicht gelungen.

Haupteingang zu Christiania…

…und Ausgang ;-)

Christiania

Auf der Pusherstreet wo die weichen Drogen verkauft werden herrscht striktes Fotoverbot. Auf Wikipedia habe ich dieses Foto trotzdem gefunden.

Linköping zum dritten und Malmö

31. März 2010

Gestern war ich wieder einmal in Linköping. Rein geschäftlich natürlich. Ich hatte meine Masterarbeit-Abschlusspräsentation bei Saab. Um halb 9 sind Malin, Ylva und ich mit dem Schnellzug X2000 in Stockholm losgefahren. In Linköping angekommen, zeigte uns Mille die neusten Projekte. Da alles geheim ist, erwähne ich jetzt nicht mehr ;-) . Nach dem Mittagessen hatte ich dann endlich meinen Vortrag. Nach rund einer Stunde war der Spuk vorbei. Als Dankeschön habe ich ein Saab-Shirt und ein Cap erhalten, welche ich an meinem ersten Arbeitstag anziehen soll (die 2 Firmen stehen zum Teil in Konkurrenz). Hier in Schweden habe ich unterdessen Tausende Fotos von allem Möglichen geschossen. Meine Betreuerinnen habe ich jedoch noch nie verewigt. Das holte ich darum bei der allerletzten Möglichkeit noch nach. Voilà:

Ylva, Malin, Mille und Per (die beiden letzteren arbeiten für Saab)

Da ich noch eine Stunde auf meinen Zug warten musste, bummelte ich noch einmal durch Linköping.

Schloss, Dom und Stadshuset

Dom

Stadshuset

Feuerwehr

Sankt Lars kyrka

Bahnhof

Um 5 kam dann der Zug an. Und das sogar pünktlich. Das war ziemlich erstaunlich. Hier in Schweden muss man davon ausegehen, dass der Zug entwerder ein paar Minuten zu spät kommt, oder ganz ausfällt. Nach einer gemütlichen Fahrt kam ich am Abend in Malmö an. Ich fuht mit dem Bus sofort zu meinem Hostel und ging rasch ins Bett.

Heute morgen erkundete ich dann die Stadt. Leider hatten wir schlechtes Wetter und es regnete. Darum sind alle Fotos ziemlich grau und düster. Nun aber der ogligate geschichtliche Abriss von Malmö:
Malmö ist nach Stockholm und Göteborg  die drittgrößte Stadt des Landes. Die Stadt wurde seit 1116 als Landungsstelle erwähnt. Die Landungsstelle diente zunächst dem dänischen König vor allem, um in das bedeutendere Lund zu gelangen. Malmö hob sich bald durch Heringsfischerei und Handel, den deutsche Kaufleute entlang der schonischen Küste betrieben hervor und profitierte dabei ebenso von ihrer strategischen Lage. Da der dänische König die Kontrolle über die Häfen im Norden und Süden hatte, konnte er den südlichen Öresund abriegeln lassen. 1319 wurde der Grundstein für die St. Petri och Pauli kyrka gelegt und etwa zur gleichen Zeit entstand auch das erste Rathaus. Die ältesten, heute noch vorhandenen Gebäude der Stadt stammen aus dieser Zeit. Zwischen 1318 und 1658 wurde die dänische Stadt mehrmals von Schweden besetzt. Malmö gilt als Geburtsort der dänischen Reformation: Die erste lutheranische Predigt wurde in Malmö gehalten und die erste Bibel in dänischer Sprache wurde hier gedruckt. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde Malmö bald von Schweden, bald von Dänemark belagert. 1512 wurde hier der Waffenstillstand Dänemarks mit Gustav Wasa von Schweden geschlossen. Durch den Frieden von Roskilde unter Karl X. Gustav wurde Malmö 1658 schwedisch.

Bahnhof von Malmö

Beim Bahnhof gibt es etwas spezialles. Ein schwimmbender Parkplatz für Velos. Das müsste es in Zürich auch geben.

Veloparkplatz

In der Innenstadt fand ich die folgenden sehenswerten Häuser:

Sankt Petri kyrka aus dem 14ten Jahrhundert

Stor torget mit dem Rathaus von 1546, der Residenz und der alten Lejonet Apoteket

Riegelhäuser aus dem 16ten Jahrhundert beim Lilla Torg

Ein anderes uraltes Haus

Kock’sches Haus aus dem 16ten Jahrhundert

Sankt Gertrud Häuser

Caroli kyrka

Um den Bahnhof herum und am Hafen habe ich die folgenden Sehehnswürdikeiten angetroffen:

Altes Schlachthaus

Alte königliche Post

Gebäude mit Turm im Hafen von Malmö

Jetzt weiss ich vielleicht woher das Wort „choge“ kommt. Vielleicht vom Wort Kogge. Die Kogge (ursprünglich der Koggen) ist ein Segelschiff, das vor allem dem Handel diente, in Zeiten militärischer Auseinandersetzungen der Hansestädte.

Leuchtturm mit Kogge im Hintergrund

Im Schloss- und Königspark befindet sich das Casino und das Malmöhus. Dies ist ein altes Schloss und einziger Überrest der ehemaligen Befestigung. Als dänisches Kastell war es im 16. Jahrhundert von strategischer Bedeutung. Danach wurde es eine schwedische Festung gegen Dänemark. Zwischen 1828 und 1914 wurde es als Zuchthaus benutzt.

Casino

Schlossmühle

Malmöhus

Ausländerfeindliche Schweden? Wohl kaum, hängt wahrscheinlich mit der Nelson Mandela ausstellung zusammen

Und nun ein absolutes Novum auf meinem Schweden-Blog: PFLANZEN

Jawohl, der Frühling ist auch in Schweden angekommen

Nach dem Park gings weiter in den neuen Stadtteil Västra hamnen. In Malmö wurde 2001 die ökologische Bauausstellung Bo01 auf dem Gebiet des Westhafens, einem ehemaligen Industriegebiet durchgeführt. Dort begann orientiert an Nachhaltigkeitskriterien der Neubau des Stadtviertels Västra Hamnen. Im August 2005 wurde dort mit dem „Turning Torso“ ein neues Kennzeichen der aufstrebenden Stadt eingeweiht – mit 190 Metern Höhe das höchste Gebäude in Nordeuropa. Seine Besonderheit ist die sich um 90 Grad zur Spitze hin drehende Fassade.

Turning Torso

Blick auf den komplett grauen Öresund

Zum Schluss klapperte ich dann noch alles mögliche ausserhalb des Stadtzentrums ab.

Feuerwehrgebäude mit Türmchen

Polizeigebäude mit Türmchen

Sankt Pauli kyrka mit Türmchen

Sankt Johannes kyrka mit riesen Turm

blumiges Kunstwerk im Folkets Park

Nach rund 16km Fussmarsch beendete ich den Tag komplett erschöpft mit einem Bummer durch den Pildammspark

Pildammspark

Morgen steht die dänische Hauptstadt Kopenhagen, welche auf der anderen Seite des Öresund liegt, auf dem Programm.

Dies und Das

30. März 2010

So heute gibts mal ein Abfallchübbel-Eintrag. Alles was sich in den letzten Monaten anstaute aber nicht in einen Blogeintrag gepasst hat, folgt nun.

Dann fange ich einfach mal mit dem Internet an. Die Schwedische Toplevel-Domain wäre eigentlich „.se“. Zum Beispiel www.spotify.se. Viele Firmen benutzen aber eine andere Toplevel Endung, und zwar: „.nu“! Nu heisst auf Vikingerisch: Jetzt. Da daraus interessante Namen gebildet werden können, wird die domain entsprechend gern verwendet. Nu steht eigentlich für das Land Niue, welches eine isolierte Koralleninsel im Südpazifik  ist und in der Nähe von Tonga, 2400 km nordöstlich von Neuseeland liegt. Wegen der in Skandinavien beliebten Domain stehen auf der Insel 900 Internet-Usern 382600 Hosts  gegenüber ;-) . So, fertig gegeekt.

Weil ich schon Spotify erwähnt habe: Spotify ist etwa das beste was es seit Napster gegeben hat. Dies ist eine Software mit der man gratis Musik hören kann und hier in Stockholm entwickelt wurde. Man sucht im Programm einfach nach einer Band und kann in den meisten Fällen deren ganze Discografie unentgeltlich hören. Sozusagen iTunes, mit einem unglaublichen Angebot und gratisser. Und das keiben Programm kann also wirklich viel. Zum Beispiel schweizer Musik: die Band frantic kommt aus Wil, SG, Schweiz und spielt auf Weltbühnen wie Sulgen, Eschlikon, Frauenfeld und Wildhaus………aber: und ihr ahnt es…….. sind in spotify hörbar. Das ganze hat eifach einen ganz grossen Haken, spotify ist nur in gewissen Ländern vorhanden. Und die Schweiz ist leider nicht dabei.

Themawechsel. In Schweden sind Noten und vor allem Münz ziemlich out: Plastikgeld ist der neue Stutz!!! Etwa jeder Schwede hat eine Kreditkarte, die auch rege genutzt wird. Man kann so ziemlich überall mit Karte zahlen, und sei es nur ein Kaugummi-Päckchen am Kiosk. Die Karte zückt man im Restaurant, an der Bar, sowieso in allen Läden und mich würde nicht verwundern, wenn in der Kirche die Kollekte per Karte bezahlt wird. Da ich nicht ein fleissiger Kirchgänger bin, kann ich das aber nicht bestätigen.
Die meisten Leute haben aber nicht eine richtige Kreditkarte, sondern haben eine Karte auf der zwar Visa draufsteht, aber nicht wirklich Visa ist. Die Knete wird nicht am Ende des Monats von der Kreditkartenfirma in Rechnung gestellt, sondern wird direkt von Konto abgebucht. Sozusagen eine EC-Karte. Kreditunternehmen haben wohl gemerkt, dass es nicht sehr gut kommt wenn 7 Tage die Woche einkaufen kann und die ganze Nation auf Pump lebt. Zum Thema passt auch das: SMS Darlehen. Man sendet ein simples SMS an eine Kreditfirma und bekommt in wenigen Minuten bis zu 500 Franken auf sein Bankkonto. Der ganze dienst kostet etwa 75 Franken und die Kohle muss innert 30 Tagen zurückbezahlt sein. Viele jugendliche stürzen sich so in die Schuldenfalle und nehmen neue SMS Kredite auf um Gebühren älterer Darlehen zu bezahlen.
Bleiben wir beim Thema Geld und Verschuldung. Mediamarkt ist auch in Schweden vertreten und wirbt auf eine ganz perfide Art und Weise. Die Werbungen sehen genau gleich aus wie in der Schweiz, aber die Preise sind extreeeeeem viel tiefer. Wenn man das Inserat mal genauer betrachtet und dem Sternli zum Kleingedruckten folgt, stellt sich das vermeintlich gute Angebot als ziemlicher Betrug raus. Der Preis wird als monatliche Abzahlrate über 24 Monate angegeben. Arg.
Und noch mehr Geld: unsere Schweizer Banken stehen ja zur Zeit ein bisschen im Abseits. Zudem sind sie nicht gerade bekannt für kundenfreundliche Öffnungszeiten. Hier in Schweden ist das aber noch eine Spur krasser. Die Banken haben zwischen 10 Uhr morgens und 4 Uhr abends offen. Die wollen wahrscheinlich einfach nicht zu viele Kunden und zwingen die Kunden Internetbanking zu benutzen. Wäre ja schön, weil ich Ausländer bin, wollten sie mir das nicht geben. Säcke. Eine weitere Besonderheit ist das ganze System. Man erwartet eigentlich von einer Bank, dass die mit Geld handelt. Als ich das erste mal in der Bank war, ist mir aufgefallen wie wenig die Schalter geschützt sind: kein Panzerglas, keine Kameras,…. Das hat auch einen guten Grund. In den Banken ist eifach nichts zu holen, denn die meisten Bankfilialen in Schweden sind  bargeldlos. Also keine Einzahlungen, Auszahlungen, Geldwechsel,…. sondern nur Beratung ;-) .

Dass richtiges Geld hier nicht so populär ist, zeigt sich auch im Supermarkt an den Kassen. Wie schon erwähnt, zahlen die meisten Leute mit Plastik. Kommt man trotzdem auf die komplett bescheuerte Idee mit Noten oder sogar mit Münz zu zahlen (zB als Tourist), macht man beim Bezahlvorgang bestimmt was falsch. Man gibt nämlich der Verkäuferin nur die Noten. Das Münz muss in den Schlitz eines Geldzählautomaten (CashGuard) gesteckt werden. Dieser Automat gibt dann auch allfälliges Wechselgeld in Münz zurück. Eigentlich sehr praktisch für die Verkäuferin, so entfällt das mühsame Münz zählen.

CashGuard

Genial ist auch die Preisbeschriftung in den Läden. Die Produkte sind zwar nicht mit dem Preis angeschrieben, aber wenigstens sind die Regale super beschriftet (zumindest im Supermarkt meines Vertrauens: maxiICA). Neben dem Preis steht für jedes Produkt der Liter-, kg-, oder Stückpreis. Das ist genial um Preisvergleiche anzustellen. Man steht vor einem riesen Regal mit ähnlichen Produkten und muss nur alle Preisschilder anschauen. In windeseile hat man das billigste Produkt. Ich bin schon oft erschrocken, wie gross die Preisdifferenz bei gewissen Produkten ist.

So, nun komme ich zu einem Weihnächtlichen Thema. In der Weihnachtszeit hat der RFSU: Riksförbundet för sexuell upplysning (Schwedischer Verband für Sexualaufklärung) lustige Werbungen in Stockholm aufgehängt. In seinem Sack hat der rüstige Mann in Geschenkpapier verpackte Sexleksaker dabei ;-)

Sexy Santa: dieses Jahr werden Weihnachten sexier

In der Weihnachtszeit fand ich im Supermarkt auch folgendes Bild. Beim ersten Blick dachte ich, warum zum Geier verkaufen die Schweden in der Weihnachtszeit Lindt-Osterhasen. Beim genaueren betrachten fand ich dann heraus, dass das keine Hasen, sondern Rentiere sind. Das erkennt man ganz genau am Geweih ;-) . Ich hege den schweren Verdacht, dass Lindt Schoggihasen einfach in Rentier-Folie verpackt und diese dann so verkauft.

Schoggi-Rentiere

Unterdessen ist Osterzeit und nun verkaufen sie die richtigen Lindt Schoggihasen. Da zwischen der Weihnachtszeit und der Osterzeit nun schon einige Monate vergangen sind, stands auch um meine Frisur nicht zum besten. Wie Kollege Keller habe ich das Abenteuer Coiffeur-Besuch-im-Ausland auf mich genommen. Viel zu sagen gibts eigentlich nicht. Das liebe Fräulein hat Farsi und Schwedisch gesprochen, ich konnte mich auf Deutsch, Englisch und Französisch unterhalten. Da die Schnittmenge nicht wirklich gross ist, haben wir uns 20 Minuten ganz freundlich angeschwiegen ;-) .

Zu einer ganz anderen aber trotzdem nicht weniger speziellen Erfahrung. Wie ich in einem der ersten Posts berichtet habe, besuchte ich einen Lindy Hop Tanzkurs. Hier in Schweden ist es üblich nicht mit einem festen Partner zu tanzen. All paar Minuten wechselt man also die Partnerin. Einmal folgte keine Partnerin, sondern es stand plötzlich ein Mann vor mir. Dann suchte ich mal zuerst die nächste Partnerin, bis mir der Herr erklärte, dass er den weiblichen Part tanzt. Ups. Tja, im Nachhinein kann ich sagen, dass mit einer Frau zu tanzen einfach angenehmer ist.

Ich glaube ich habe auch mal geschrieben, dass ich für ein paar Wochen einen Schrittzähler verwendet habe, um meine Bewegungsaktivität mal zu prüfen. Das Resultat blieb ich euch aber schuldig. In 15 Tagen habe ich 174’671 Schritte gemacht. Das sind etwa 11’500 Schritte pro Tag. Ich war ziemlich erstaunt. Man muss aber fairerweise auch erwähnen, dass ich an einigen Tagen mit Gästen durch Stockholm gebummelt bin und so einige Kilometer zurückgelegt haben. Unterdessen sitzte ich nur noch vor dem Kompi und lege wahrscheinlich weniger als 5000 Schritte pro Tag zurück.

Und jetzt komme ich noch zu Transport-Themen. Etwa das erste was mir hier auf den Strassen aufgefallen ist, sind die vielen Chinesischen (Volvo) und Holländischen (Saab) Autos. Tatsächlich gibt es hier seeeeeehr viele von denen. Das macht auch Sinn so einen Schwedenpanzer (Volvo) zu fahren, sonst würde man bei einem Crash mit einem Elch ziemlich alt ausehen.
Was an vielen Autos aber auffällt, sind riiiiiiesen Lichter am Kühlergrill.Ehrlich gesagt weiss ich nicht genau für was die gebraucht werden. Ich kann mir aber vorstellen, dass man damit besser durch das Schneegstöber im arktischen Skandinavien donnern kann. Vielleicht sind die auch nur da um Elche und Rentiere zu erschrecken ;-)

„Überbelichteter „Schwedenpanzer

Mitte Dezember ist in Stockholm etwas sehr fragwürdiges passiert. Eine Firma wollte eine Erdwärmeborhung für ein Hotel bohren. Die Bohrung wäre eigentlich 220 Meter tief geplant gewesen. Nach 20 Metern durchbrach der Bohrer einen U-Bahn-Schacht und prompt raste eine Metro in den Bohrkopf. Glücklicherweise wurde bei diesem Unfall niemand ernsthaft verletzt. Ich frag mich aber schon, wie man eine Erdwärmebohrung durchführt und nicht weiss wo die Metro durchgeht. Die Metrolinien sind sogar auf jedem Touristen-Stadtplan eingezeichnet.

Metrocrash der etwas speziellen Art

Gilt zwischen 11-24 sowie (11-24) und 11-24 ???

Eishockey Viertelfinal im Globen: Olé olé olé olé olé olé-ola!!!

27. März 2010

Gestern Abend fand das 5te Eishockey Halbfinalspiel zwischen Djurgården und Brynäs. Weil das Interessse so enorm ist, hat das Spiel zum ersten Mal diese Saison in der Globen Arena stattgefunden. Das grösste sphärische Gebäude der Welt hat einen Durchmesser von 110 Meter und eine Höhe von 85 Meter. Das Spiel war restlos ausverkauft (13850 Zuschauer) und die Stimmung war genial. Ich hatte Glück und konnte noch ein Ticket ergattern. für 30 Franken war es jedoch in der zweiten Reihe auf der Kurzseite. Aber ich wollte unbedingt noch in den Globen, bevor ich Schweden verlasse. Die Sicht war aber gar nicht so schlecht. Es hat sich also definitiv gelohnt. Alleine schon wegen der Stimmung in diesem Hexenkessel.

Globen Arena

Foto: Jimmy Peterson

Olé olé olé olé olé olé-ola!!!

Der Match war bis zur allerletzten Sekunde extrem spannend. Djurgården hat schlussendlich verdient 3-2 gewonnen. Damit haben sie sich den Einzug in den Halbfinal gesichert. Die Fans in der Halle waren ausser sich.

Eine super Zusammenfassung des Spiels findet man hier: Video-Matchbericht

Boatcruise nach Riga

27. März 2010

Am Mittwoch Morgen hatte für meine zwei Betreuerinnen eine Pre-Präsentation gehalten. Danach habe ich Teil zwei und drei meiner was-ich-in-Schweden-noch-nicht-tun-konnte-und-jetzt-nachhole-Serie geplant. Der zweite Teil ist eine Fähren-Cruise nach Riga. Am Mittwoch Abend um 5 legte die Fähre im Hafen von Stockholm ab. Da mich niemand begleiten wollte, habe ich halt die 75 Franken selbst bezahlt. Für eine Fährenrundfahrt ist das schon teuer. Aber eigentlich immer noch drecksbillig. Aus diesem Grund war ich ganz alleine in einer 4er-Kabine unterwegs. Ich hatte meinen Kompiuter dabei und konnte ein bisschen arbeiten. Mein Büro war die MS Festival, welche in der Werft von Wärtsilä 1986 gebaut wurde und 1992 einem Facelifting unterzogen wurde. Mein Büro, welches von 4 Wärtsilä Diesel Motoren mit einer Leistung von 26200 kW angetrieben wird, hätte ich im dümmsten Fall mit 2000 anderen Passagieren teilen müssen.


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MS Silja Festival

Mein Büro

Abendstimmung im Stockholmer Archipel

Rushhour in den Schären

Alte Verteidigungsanlage irgendwo unterwegs (Ridingö)

Nach einer erholsamen Nacht kam ich 10 Uhr morgens in Riga an.

Riga (lettisch Rīga) ist die Hauptstadt Lettlands  und mit 720’000 Einwohnern grösste Stadt des Baltikums. Die Stadt liegt an der Daugava (Fluss), nicht weit von der Rigaischen Bucht. Die Bevölkerungszahl ist seit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit der Republik Lettland 1991 um rund 180’000 zurückgegangen, da viele der in den Jahrzehnten zuvor dort angesiedelten Russen abgewandert sind, aber auch wegen des Geburtendefizits. Das spezielle an Riga ist die Rassenverteilung. Nach Zahlen von 2009 beträgt der Anteil der Letten an der Stadtbevölkerung mit 42.3 % eine knappe Mehrheit, dicht gefolgt von den Russen (41.3%).

Und nun wieder ein bisschen Wikipedia-Geschichte:
Nach 1150 kamen Kaufleute regelmässig zum Handel an den Unterlauf der Düna (lettisch: Daugava) am Flüsschen Rīdzene (deutsch: Riege, daher auch der Name Rīga). Im Jahre 1201 wurde die Stadt Riga gegründet und war die Hauptstadt von Livland (lateinisch: Livonia). Riga war vor allem Sitz der Erzbischöfe von Riga, aber auch eine immer bedeutender werdende Handelsstadt, die der Hanse angehörte. Im Rahmen der Ostkolonisation versuchten die Bischöfe vor allem Deutsche im heidnischen Gebiet anzusiedeln. Militärisch wurden sie dabei vor allem von deutschen Ritterorden unterstützt. Der Deutsche Orden war eine organisatorisch eigenständige, machtvolle kirchliche Organisation, die bald als neuer Machtfaktor zu den Erzbischöfen von Riga in Konkurrenz trat. Im Jahre 1522 schloss sich Riga der Reformation an, womit die Macht der Erzbischöfe ihrem Ende entgegenging. Nach der Abdankung des letzten Bischofs im Jahre 1561 kam die Stadt unter den Einfluss von Polen-Litauen. 1621 wurden Riga durch Schweden erobert und blieb bis Anfang des 18. Jahrhunderts die zweitgrösste Stadt im schwedischen Herrschaftsbereich. 1710 ergab sich im Laufe des Grossen Nordischen Krieges die Stadt nach längerer Belagerung den russischen Truppen und Riga wurde an das Zarenreich angeschlossen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Riga schrittweise zu einem der wichtigsten Häfen Russlands ausgebaut. Trotz russischer Herrschaft blieb sowohl die Stadtkultur als auch der Grossgrundbesitz bis ins 19. Jahrhundert vom Einfluss der deutschen Oberschicht im Lande geprägt. Bis 1891 war die offizielle Amtssprache Deutsch, dann wurde Russisch Amtssprache. Der Aufstieg Rigas wurde durch den Ersten Weltkrieg jäh unterbrochen. Nach der deutschen Besetzung 1917/18 gelang es den Letten, am 18. November 1918 eine unabhängige Republik auszurufen und Riga wurde zur Hauptstadt Lettlands. Gegen Anfang der 1930er Jahre ging diese Blütezeit langsam zu Ende. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland wurde Lettland nicht nur von den neu aufkeimenden Strömungen der Sowjetunion bedroht, die eine Angliederung des ehemals russischen Territoriums forderten. Im Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 vereinbarten die beiden Diktaturen, das Baltikum und damit auch Lettland der sowjetischen Einflusssphäre zuzuweisen. 1940 rollten sowjetische Panzer durch Rigas Strassen und besetzten die Stadt, die nun Hauptstadt der Lettischen Sowjetrepublik wurde. Nach dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 eroberten deutsche Truppen das Gebiet um Riga wieder. Die jüdische Bevölkerung, die 1933 noch ca. 44’000 Mitglieder hatte, wurde im Rigaer Ghetto interniert, ermordet oder in andere Konzentrationslager deportiert. 1944 wurde Lettland durch die roten Armee erneut von der Sowjetunion okkupiert und Riga wurde die Hauptstadt der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Ermutigt durch Perestroika und Glasnost erklärte das Lettische Parlament, 1990 die Wiederherstellung der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Am 21. August 1991 erkannten sowohl die Sowjetunion als auch im gleichen Jahr der russische Präsident Boris Jelzin die Unabhängigkeit Lettlands an. Riga wurde wieder Hauptstadt eines souveränen lettischen Staates.

Nachdem ich mich an den festen Untergrund gewöhnt hatte und die mich orientiert hatte, machte ich auf zur Stadterkundung. Als erstes sind mir die schön grossen Pärke aufgeffallen, die im Frühling und Sommer sicher wunderschön sind. Weiter ist die Altstadt wunderschön und die meisten Gebäude sind uralt aber renoviert. Aus diesem Grund wurde Riga 1997 ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen.

Brücke in einem Park, an deren Geländer extrem viele Vorhängeschlösser

Jeder kennt den Brauch Verliebter, Herzen und Namen in Baumrinden zu schnitzen. Das hier ist eine moderne Variante: Offensichtlich gravieren oder ritzen Verliebte in Rīga Ihre Namen in ein Vorhängeschloss und ketten das an eine Fussgängerbrücke im Park.

Das 42 Meter hohe Freiheitsdenkmal ist ein Symbol der Freiheit und der Unabhängigkeit Lettlands. Es ist allein von Mitteln, die das Volk gespendet hat, in den Jahren von 1931 bis 1935 erbaut worden.

Freiheitsdenkmal

Um die Jahrhundertwende wurden im Grüngürtel um die Altstadt zahlreiche repräsentative Gebäude errichtet:

Neugotische Lettische Kunstakademie

Zwischen 1876 und 1884 entstand die Orthodoxe Kathedrale (Rīgas Kristus Piedzimšanas pareizticīgo katedrāle) im neubyzantinischen Stil.

Nationaloper

Nationaltheater

Nachdem ich die schönen Jugenstilhäuser und andere historisch wertvolle Gebäude betrachtet habe, stach ich in die Altstadt um meinen Entdeckungsdrang zu stillen.

Platz in der Altstadt

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts scharten sich die Handwerker in verschiedenen religiösen Brüderschaften, doch dann bildeten sie ihre Zünfte entsprechend den Handwerksberufen der damaligen Zeit. Diese Zünfte vereinigten sich zur Wahrung ihrer Interessen in der Handwerkergilde, die anfangs ihren Sitz in einer  Kapelle des aufgelösten Franziskanerklosters fand. Da dieses Haus in seinen Ausmassen kleiner war als das Gildenhaus der Kaufleute, wurde es als Kleine Gilde benannt.  Auch die Kaufleute vereinigten sich im 13. Jahrhundert zu einem Verband, der Kaufmannsgilde, und wählten zu ihrem Sitz das ehemalige Refektorium des aufgelösten Franziskanerklosters, heute die grosse Gilde genannt.

Kleine Gilde

Grosse Gilde

Das Katzenhaus, welches gegenüber den Gilden liegt, wird so genannt, weil die Erkerdächer von Katzenfiguren aus Kupfer geschmückt werden. Der Hausbesitzer hatte damit seinerzeit die Überlegenheit über die Kaufmanngilde demonsitriert, als er nicht in Gilde aufgenommen wurde.

Katzenhaus

Typische Altstadthäuser

Die evangelisch-lutheranische St. Johanniskirche war anfangs eine Kapelle des 1234 gegründeten Dominikaner-Klosters. Um die Wende zum 16ten Jahrhundert wurde die Kirche erweitert. Eine schöne Fassade mit dem in Riga einzigen Stufengiebel entstand.

St. Johanniskirche

Die ev.-luth. Pfarrkirche zu St. Petri ist eine der ältesten mittelalterlichen Sakralbauten im Baltikum. Der Bau entstammt dem Anfang des 13. Jahrhunderts und hat seit seinem Bestehen mehrere Bauperioden erfahren. Der 1690 in Barockformen als Holzkonstruktion erbaute Kirchturm war seinerzeit der höchste seiner Art. Die Kirche ist mehrmals vollständig ausgebrannt (1677, 1721, zum letzten Mal am 29. Juni 1941). Das Kirchengebäude wurde 1970 wiederaufgebaut und der Kirchturm 1973, doch dann als Stahlkonstruktion.

Pfarrkirche zu St. Petri

Teil der alten Befestigungsanlage

Der Ursprung des Schwarzhäupterhauses ist das 1334 erbaute „Neue Haus“ für die Angehörigen der Gilden. Seit dem 15. Jahrhundert benutzten die Schwarzhäupter (Vereinigungen zumeist (nord)deutscher Kaufleute) das Haus. In der Zeit vom 18. bis 20. Jahrhundert war das Schwarzhäupterhaus einer der Brennpunkte des kulturellen Lebens. Hier wurden Konzerte veranstaltet und hohe Gäste empfangen. Das Haus wurde am 29. Juni 1941 zerstört. 1995 nach vierjähriger Bauzeit fand die feierliche Wiedereröffnung des Schwarzhäupterhauses statt.

Schwarzhäupterhaus

Rathaus

Der Grundstein zum Bau des Domes – heute Kathedrale des ev.-luth. Erzbischofs Lettlands – ist im Jahre 1211 gelegt worden. Die Kirche vereinigt in sich die Formen der späten Romanik, der Frühgotik und des Barocks und bildet zusammen mit dem Kloster ein Ensemble. Es ist der größte Sakralbau Lettlands.
1709 brach in Riga eine Typhus- und Cholera Epidemie aus und raffte etwa ein drittel der Bevölkerung hin. Auslöser für die Epidemie war wahrscheinlich eine Überflutung der Gruften beim Dom.
Im Dom befindet sich die weltweit viertgrösste Orgel mit 6768 Pfeifen, welche 1880 erbaut wurde.

Der Dom

Anglikanische Kirche

Römisch-Kathlische Mater-Dolorosa-Kirche (jaja, so unschuldig weiss)

Die zweite Rigaer Ordensburg wurde 1330 – 1350 als Residenz des Ordensmeisters erbaut. Im Jahre 1484 wurde sie von den Rigensern zerstört und bis 1515 wieder hergestellt. Der Bleiturm ist am Anfang des 16. Jahrhunderts erbaut worden. In den folgenden Jahrhunderten wurden die Vorburgen mehrmals umgebaut. 1785 – 1787 ist ein dreistöckiger Vorbau zur Unterbringung zaristischer Behörden errichtet worden, womit die Burg ihre mittelalterliche Gestalt verlor. 1938 wurde bei der Anpassung des Schlosses an die Repräsentationsbedürfnisse der Regierung der “Dreisterneturm” errichtet. Heute dient ein Teil des Schlosses dem Staatspräsidenten zur Arbeit und zu Empfängen.

Schloss vom Fluss her

Sicht auf das Schloss von der Altstadt

Die „drei Brüder“ sind eines der seltenen Beispiele, wo drei auf schmalen Grundstücken gebaute Häuser nebeneinander stehen. Die Häuser sind uralt und haben ihren Ursprung im 17ten Jahrhundert.

Die 3 Brüder

Die katholische St. Jacobikirche hat während ihres Bestehens, besonders nach der Einführung der Reformation, oft die Zugehörigkeit zum Glaubensbekenntnis gewechselt. Im Jahre 1923 wurde sie letztlich dem katholischen Erzbischof Lettlands als Kathedrale überlassen. Der frühgotische Sakralbau wurde erstmals
1226 erwähnt.

St. Jacobikirche (ich bin so stolz)

Das Schwedentor ist das einzige Tor das aus den Toren der Befestigungsmauer erhalten ist. 1698 wurde im Wohnhaus eine abschliessbare Durchfahrt ausgebrochen, um die an  die Aussenseite der Mauer bebauten Häuser und Kasernen mit der Innenstadt zu verbinden.

Das Schwedentor

Das längste Haus in der Altstadt ist die Jakobskaserne (das muss hier schon erwähnt werden) aus dem 18ten Jahrhundert, in der sich nun Kafés und Büros befindet.

Jakobskaserne (links in gelb)

Der Pulverturm stand an einer scharfen Ecke der Rigaer Ringmauer und trug anfangs den Namen Sandturm. Erstmals wurde er 1330 erwähnt, doch hat er sicher schon früher dort gestanden. Seinen neuen Namen erhielt er zu der Zeit, als Schiesspulver in seinen Kellern gespeichert wurde. Nach der Vervollständigung der Befestigungsanlagen mit Wällen und Basteien verlor der Turm seine ursprüngliche Bedeutung und stand einsam da.

Pulverturm

Nachdem ich etwa alles in der Altstadt angesehen hatte, verliess ich diese und unterquerte die Eisenbahngleise in den Süden der Stadt. Ich fand mich in einer anderen Welt wieder. Alles wie man es in einer Sovjetstadt erwartet: heruntergekommene Häuser, Dreck, ein Markt auf dem man so ziemlich alles für wenig Geld kaufen kann, verwahrloste Leute, Alkoholiker,… Einfach herrlich, wie in der Ukraine ;-) . In diesem Stadtteil (Moskauer Vorstadt genannt) befinden sich in den ehemaligen Zeppelin-Hallen der Zentralmarkt. Sogar die Architektur sah extrem Sovjetisch aus. Oder zumindest die des im stalinistischen Zuckerbäckerstil 1958 erbaute Kultur- und Wissenschaftspalast:

Kultur- und Wissenschaftspalast

Mattscheibe im Osten

Von der Moskauer Vorstadt leif ich dann zur Daugave und bummelte entlang des Flusses zum Fährenterminal. Ohne die lärmige 4-spurige Strasse gleich neben dem wunderschönen Strandboulevard, hätte ich die Aussicht auf den futuristischen Fernsehturm und die schöne Brücke noch mehr geniessen können. Der Fernsehturm, welcher 1986 fertiggestellt wurde, ist mit einer Höhe von 368 Meter das höchste Gebäuder der EU.

Fernsehturm

Strandweg und die Brücke, die der Herr Jakob schön findet

Mit dem Fluss verbindet sich die Stadtgründungslegende um den heiligen Christophorus. In alten Zeiten, als es Riga noch nicht gab, trug ein hochgewachsener Mann (der Große Christoph genannt) an der Stelle, wo heute Riga liegt, Menschen über den Daugavafluss. Als Unterkunft hatte sich Christoph eine Hütte am rechten Ufer errichtet. Eines Nachts hörte er, wie am anderen Ufer ein kleines Kind weinte. Er wollte es sogleich über den Fluss holen. In der Mitte des Flusses aber wurde ihm das Kind so schwer, dass er es nur mit großer Mühe herüberbrachte und in seiner Hütte schlafen legte. Am nächsten Morgen fand er anstelle des Kindes einen Beutel voller Goldmünzen. Christoph hielt das Geld zusammen bis zu seinem Lebensende. Nach seinem Tode wurde das Geld zur Gründung Rigas verwendet. Die ersten Häuser wurden an der Stelle gebaut, wo Christophs Hütte gestanden hatte.

Der grosse Christoph

Und nun noch ein paar Kuriositäten. Als erstes sind mir die Parkierkünste dieses Autofahrers aufgefallen:

Warum ein Smart kaufen, wenn man auch so in kleinen Parklücken parken kann

Sehr unerwartetes Gebäude. Aber was soll die Österreicher Flagge (Lettland) davor? ;-)

Habt ihr schon mal eine herzigere und kleinere US-Botschaft gesehen? Richtig Understatement.

Lustige Kunst

Ähm….genau! Warum ein Türschloss kaufen, wenns auch so geht.

In Göteborg bei John

23. März 2010

Da ich mit meiner Masterarbeit schneller vorwärts gekommen bin als erwartet, habe ich jetzt komischerweise am Schluss noch freie Zeit. Diese nutze ich nun um alles nachzuholen, was ich in Schweden erledigen wollte, aber nicht konnte. Dieses Wochenende stand zum Beispiel Göteborg auf dem Programm. Zur Zeit ist John in Göteborg und schreibt auch seine Masterarbeit an der Technischen Hochschule Chalmers. John war im Jahr 2008 zusammen mit mir in Sierra Leone und hat dort auch ein IAESTE Praktikum gemacht.

Ein kleier Exkurs über Göteborg: Mit etwa einer halben Million Einwohner ist Göteborg die zweitgrösste Stadt Schwedens. Im Vergleich zu Stockholm weist Göteborg eine klimatisch günstigere Lage auf und bietet mit einem eisfreien Seehafen einen bedeutenden Wirtschaftsvorteil.
Das heutige Göteborg wurde 1619 gegründet. Nördlich der Stadt lag damals noch Norwegen, südlich direkt Dänemark. Die Stadt wurde dementsprechend als befestigter Aussenposten Schwedens angelegt. So wurde Göteborg mit der Zeit eine der am stärksten befestigten Städte in Nordeuropa, mit Steinmauern und einem zickzackförmigen Stadtgraben. Im 18ten Jahrhundert wurde Göteborg zum Zentrum für den Handel mit China und dem übrigen Fernen Osten, was enorm zum wirtschaftlichen Aufschwung  der Stadt beitrug. Auch der Handel mit Grossbritannien wuchs, als Napoleon mit der Kontinentalsperre (wirtschaftlichen Blockademassnahme) gegen Grossbritannien  vorging. Im 19ten Jahrhundert wurden die Festungswerke geschleift. Nach Napoleons Fall (1815) auch hörte die französische Blockade auf, und damit begann auch Göteborgs Boom als Handelsstadt abzuflauen. Im weiteren Verlauf wurden in der Stadt mehrere Banken gegründet, die die wirtschaftliche Entwicklung wieder positiv beeinflussten. Daneben entwickelte sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine blühende Werftenindustrie. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Hafen Göteborgs zum grössten Exporthafen Nordeuropas. Dazu trugen die neu gegründeten international ausgerichteten Industrieunternehmen (allen voran die Textilindustrie) der Stadt bei. In dieser Zeit wurde auch die Firma SKF gegründet, welche Kugellager herstellte. Während der Finanzkrise der Zwanziger Jahre schwankte die Nachfrage nach Wälzlagern. Um einen neuen Absatzmarkt zu finden, wurde eine Versuchsabteilung gegründet, welche zum Ziel hatte, Versuchsautos zur Erprobung der damals neuen Wälzlager zu bauen. Daraus entstanden ist VOLVO. Göteborgs Werften waren bis in die 1970er Jahre ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor der Stadt. Danach konnten sich die Werften gegen die internationale Konkurrenz nicht mehr wirtschaftlich behaupten, so dass der Schiffbau in Göteborg aufgegeben wurde.

Am Samstamt Morgen bin ich also von Arlanda nach Göteborg geflogen und bin mit dem Bus in die Stadt gefahren, wo mich John abholte.

Blick auf das gefrorene Archipel vor Stockholm

Beim Bahnhof und Busterminal haben wir uns dann sofort auf unsere Stadterkundungstour aufgemacht. Gleich neben dem Bahnhof ist ein riiiiiesen Konsumtempel, der den Namen Nordstan trägt. Dieser Komplex ist eigentlich ein ganzes Quartier und besteht aus 9 verbundenen Gebäuden mit einer Gesamtfläche von 320’000 m2 und ist damit das grösste Shoppingcentre Skandinaviens. Beherbergt werden rund 180 Läden welche von etwa 35 Million Kunden pro Jahr aufgesucht werden (Europarekord). Und noch eine erstaunliche Zahl: Auf dem Areal findet man 3 (!!!) MacDonalds (und ein Burger King, ein Pizza Hut und andere Fettmacher). Und noch was, 6000 Leute sind hier angestellt.

Hauptbahnhof

Altes Postgebäude

Im Nordstan fand gerade irgend ein Anlass statt. Lauter Mädchen waren am Gymnastik machen, am Rumturnen und Akrobatiknummern am vorzeigen. Wahrscheinlich war es das Casting fürs Schwedische Bikini Team 2010 ;-)

Auswahlverfahren fürs Schwedische Bikini Team im Nordstan

Meine Begleiter: Johrn, Mark, Zuzan

Nachdem wir ein bisschen durch diese abgeschottete Konsumwelt geschlendert sind, gings weiter zum Hafen Lilla Bommen und der Oper.

Im Hafen Lilla Bommen liegt der grösste in Skandinavien erbaute Windjammer, die Viermastbark Viking (Baujahr 1906) fest vertäut und dient als Hotel und Museumsschiff.

Viking

Auf der anderen Seite des Flusses liegt der Industriehafen und die alten Werfts, welche heutzutage nur noch Unterhaltsarbeiten durchführen.

Industriehafen

Operan

John beim Hafen Lilla Bommen mit dem rot-weissen Hochhaus „läppstift“ (Lippenstift)  im Hintergrund

Shit happens

Gleich neben der Oper befindet sich das Maritima Museum, welches aus rund 15 verschiedenen Schiffen besteht, welche im Hafen liegen und mit Stegen miteinander verbunden sind. Aber wie so vieles in Schweden war das Museum nur von April bis September geöffnet. Tja, ich bin mich ja langsam daran gewohnt.

Da mach ich doch glatt die Schiffschraube

Die Antwort auf den Wüstensohn aus Tripolis

Vom Maritima Mueseum sind wir mit dem Tram über den Fluss in den Norden gefahren. Jawohl Göteborg hat blau-weisse Trams wie Zürich. Göteborg ist neben Norrköping  die einzige Stadt in Schweden, die ihre Strassenbahn  bei der Umstellung auf Rechtsverkehr 1967 behalten hat. Beim Keillers Park sind wir auf den 87 Meter hohen Berg Ramsberget gewandert. Von der „Bergspitze“ hatten wir eine wunderschöne Aussicht auf Göteborg un deren Hafen.

Blick vom Ramsberget

Lustige Kunst im Keillers Park

Nachdem wir die Aussicht und die Sonne genossen hatten, gingen wir zurück in die Stadt und genehmigten uns ein Guinness. Nachdem Nachtessen gingen wir Bowlen. Das war ein riesen Spass. Als es gegen die Polizeistunde (1 Uhr) zuging bekamen wir immer mehr Gesellschaft von Ureinwohnern, deren Aussprache nicht mehr ganz klar war. Erstaunlich wie sich so viele Schweden trotz der hohen Alkoholpreise so die Lampe füllen können.

Bowling-Meister John und ich

Am nächsten Morgen stand dann der zweite Teil der Stadterkundung auf dem Programm. Gestartet haben wir mit der Technischen Hochschule Chalmers. Hier schreibt John seine Masterarbeit. Genau an dieser Uni studiert auch der Joggel, der vor einer Woche eine Amokdrohung gegen die KTH in einem Onlineforum veröffentlich hat.

Chalmers

Danach gings ins Zentrum der Altstadt.

Gustav Adolfs Torg mit Rådhus und Stadshus

Brunnsparken

Domkyrka welche in den Jahren 1802–1815 erbaut wurde

Strasse mit blau-weissen Trämli

Altes Gebäude der pädagogischen Hochschule (den Neubau habe ich irgendwie nicht schlau abbilden könne)

Saluhallen von Göteborg (Markthalle)

Stora Teatern

Nobel wirkt die Gegend um die Kungsportsavenyn, an deren Ende der Götaplatsen liegt, das Kulturzentrum der Stadt mit seiner Poseidonstatue (1931), die eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Am Platz befinden sich zudem das Konstmuséet, Konserthuset  und Stadsteatern.

Kungsportsavenyn

Kunstmuseum mit der Poseidonstatue

Blick vom Kunstmuseum auf die Kungsportsavenyn

Vasakyrkan

Die Universität Göteborg wurde 1891 gegründet und ist nach der Universität Uppsala und der Universität Lund die drittälteste Universität in Schweden und eine der grössten Universitäten Skandinaviens.

Universität Göteborg

Skansen Kronan ist eine Schanze welche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf einem kleinen Hügel außerhalb der Stadtmauern gebaut wurde. Die Festung wurde als Teil der Verteidigung gegen einen möglichen Angriff von den Dänen aus dem Süden gebaut und liegt heute in der Innenstadt.

Skansen Kronan von weit

Skansen Kronan von nah

Esperantoplatsen

Die Feskekörka (1874) am Wallgraben ist eine im Stil einer gotischen Kirche errichtete Fischmarkthalle ;-)

Hovrätten (Appelationsgericht) und der Kanal

Casino

Was das für ein Gebäude ist, weiss ich nicht. Hat aber sicher was mit dem Hafen zu tun

Karte meiner Tour durch Göteborg:


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Am Sonntag Abend bin ich dann voll kaputt wieder nach Hause geflogen. In Stockholm hat mich fast der Schlag getroffen. Pünktlich zum Frühlingsanfang gabs Neuschee ;-) . Langsam habe ich wirklich genug vom Winter und sehne mich nach dem Frühling in der Schweiz.


Amok-Drohung gegen die KTH

18. März 2010

Letztes Wochenende hat wieder einmal ein Idiot ein Massaker angekündigt. Das ist tragisch, aber man ist ja in den meisten Fällen nicht direkt involviert. Bei dieser Drohung war ich jedoch direkt betroffen. Am Freitag Abend hat eine arme Seele in einem Internet-Forum geschrieben, dass sie am Montag die Sportwaffe an die KTH mitnehmen werde und soviele Leute wie möglich zu erschiessen werde. Weiter verglich die Person sein Vorhaben mit dem Massaker in Finnland und kündigte an diesen finnischen „Rekord“ zu brechen, da die schwedische Polizei sowieso zu langsam sei um rechtzeitig vor Ort zu sein.
Glücklicherweise hat die Poliezi im Verlauf des Wochenendes Wind von der Sache bekommen. Am Sonntag Abend hat dann die KTH infomiert und die Drohung gegen die Schule öffentlich gemacht. In Absprache mit der Polizei war geplant die Universität am Montag nicht zu schliessen. Die Polizei wäre mit einem Grossaufgebot aufgefahren um das Risiko einer möglichen Schieserei klein zu halten. Da an der KTH gerade Prüfungssession ist, stand es denn Studenten frei, ob sie an den Prüfungen teilnehmen oder verschieben wollten. Einige Tests wurden auch ganz abgesagt.

Irgendwie eine ganz komische Situation. Es besteht eine ernstzunehmende Drohung erschossen zu werden. Darum entschloss ich mich am Montag zu Hause zu bleiben. Am Montag Morgen um 6:30h informierte die KTH, dass eine Person in der Nacht verhaftet wurde. Uh, nochmals Glück gehabt. Da der Server auf dem der Eintrag registriert wurde in den USA steht, nahm die schwedische Polizei die Hilfe von Polizeien anderer Länder, inbesondere dem FBI, in anspruch. So konnte der Forums-Eintrag zurückverfolgt werden und eine Person wurde identifiziert.  Um 4 Uhr in der Nacht schlug die Polizei im 500 km entfernten Göteborg dann zu. Ein 33-jähriger Mann, der an der Chalmers Universität in Göteborg studiert, wurde eingebunkert. Im ersten Verhör hat dieser dann die Tat schon zugegeben und erzählt es sei ein Witz. Tja, ziemlich dämlicher Witz. Das Motiv für die Drohung war, dass anscheinend seine Freundin schluss gemacht hat.

Am Montag bin ich darum dann trotzdem an die KTH gegangen. Auf dem Campus waren überall Polizisten und Fernsehteams. Die Drohung hat im ganze Land ziemlich aufsehen erregt und war darum in allen Zeitungen und Fernsehsendungen die Schlagzeile.

Die Drohung hat weitere Personen inspiriert. In den folgenden Tagen gab es in Schweden mindestens 3 Nachahmer, die die Bevölkerung auf ähnliche Weise in Angst und Schrecken versetzten.

Am Mittwoch wurde der Verdächtige dann schon aus der Haft entlassen. Nimmt mich ja wunder wie der bestraft wird.


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