Icebar, spanischer Znacht & Kleidergrösse

10. November 2009 von marcojakob

Javier, mein Bürokumpane, hatte dieses Wochende Gäste aus Madrid zu Besuch. Ihr Wochenende dauerte bis heute ;-) . Gestern Abend haben wir zusammen die Absolut Icebar besucht. Leute von der Partyfront wissen, dass Absolut eine schwedische Vodka-Marke ist. Deren Bar befindet sich im Erdgeschoss eines Hotels und besteht komplett aus Eis. Die Wände, die Bar, die Hocker, ja sogar die „Gläser“ sind aus Eis. Leider hat der ganze Spass Eintritt gekostet. Irgendwie muss ja das ganze Wasser bezahlt sein. Für den Eintritt plus ein Vodka hätten wir 27 Stutz hinblättern müssen. Darum haben wir uns für die Softie-Variante ohne Alkohol für „nur“ 19 Franken entschieden. Spass gemacht hat’s trotzdem. Vielleicht hätte uns der Vodka ein bisschen Wärme vorgegaukelt. In der Bar herrscht nämlich ein polares Klima von -5°C. Eigentlich nicht so schlimm. Im Winter ist es in der Bar sicher wärmer als draussen ;-)
Icebar

Javier, Daniel, meine Wenigkeit und Miriam

Icebar2

Gleiche Leute, andere Reihenfolge

Die Bar wurde erst letzte Woche mit einem neuen Interieur wiedereröffnet. Es sieht wie in einer Eiswerkstatt aus. Es hat Rohre in den Eiswänden und überall hat es Zahrädli. Da wurde es mir Maschinenbauer grad warm ums Herz.

Möbel

kalte Möbel

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Marco hat den Durchblick

Nachdem wir uns langsam das Zäpfli abgefrohren haben, sind wir wieder nach Draussen an die „Wärme“ gegangen. Da unser Körper sehr viel Energie benötigte, um uns vor dem Erfrierungstod zu bewahren, hatten wir eine Bärenhunger beieinander. Ich wurde bei den Spaniern zum Essen eingeladen.

Miriam hat für uns Männer spanische Omelett gekocht. Zuerst werden geschnittene Härdöpfel in einem Öl-See angebraten. Danach werden die Kartoffeln mit verquirltem Ei angebraten. Dazu gabs Brot, spanische Wurst und Käse. Schmeckte sehr lecker.

Spanischer Znacht

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Da ich gestern Abend nicht Kleider waschen konnte, weil ich ja bekanntermassen in die Icebar musste, herrschte heute Morgen Sockennotstand. Aus diesem Grund blieb ich am morgen zu Hause und habe die Wäsche erledigt. Natürlich habe ich während dem Waschgang für meine Masterarbeit gearbeitet.
Die Waschküche hier in diesem Wohnblock ist sensationell. Richtig professionelle Waschmaschinen und Tömbler. Da dummerweise alle in schwedisch beschriftet ist, hatte ich am Anfang ein bisschen Mühe. Das mit den Knöpfen wäre ja noch gegangen. 30,40,60 und 90°C sieht auf Schwedisch ziemlich ähnlich aus. Aber ob das Waschmittel ins Fach A, B oder C kommt ist dann schon ein bisschen eine kompliziertere Angelegenheit. Eine andere Bewohnerin des Hauses war dann aber so nett und hat mich instruiert. Es war das Fach B. Beim Tumbler hatte ich dieselben Sprachschwierigkeiten.

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Waschmaschinenpark

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Tumblerreihe

Das Vorhaben „Kleiderwaschen in Schweden“ ist mir eigentlich recht gut geglückt. Die Kleider waren sauber und schön warm (nach dem tömblern). Ich habe aber den schweren Verdacht, dass die Kleidergrösse nicht mehr die selbe ist wie zuvor ;-) . Am Ende meines Aufenthalts in Schweden trage ich dann sicher Kleidergrösse XS. In meinem Koffer habe ich ja sowieso kein Platzt. Dann bleiben die Kleider halt in Schweden.

Uppsala

8. November 2009 von marcojakob

Heute habe ich das erste Mal Stockholm verlassen. Ich bin mit dem Zug nach Uppsala gefahren. Uppsala ist die viertgrösste und eine der ältesten Städte Schwedens und liegt rund 80km nördlich von Stockholm.


View Larger Map

Für die Einwohnerzahl von knapp 130′000 wirkt der Bahnhof ziemlich klein. Dafür ist der Veloparkplatz grosszügig dimensioniert. Da könnte sich Zürich mal inspirieren lassen.

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Bahnhof Uppsala

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Veloparkplatz

Vom Bahnhof marschierte ich direkt Richtung Schloss. Dieses liegt auf einer kleinen Anhöhe und sieht von unten recht stattlich und schön symmetrisch aus.

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Teich mit Uppsala Slott im Hintergrund

Kommt man jedoch auf dem Hügel an und sieht das Schloss von der Rückseite, merkt man, dass irgendwas nicht stimmt. König Gustav Wasa hat 1547 mit dem Bau begonnen. Nach mehreren Umbauten und Wiederaufbauten nach Bränden ging den folgenden Herrschern das Geld aus. Aus diesem Grund fehlt dem Schloss bis heute der Nordflügel (auf dem nächsten Bild auf der linken Seite).

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Sicht auf den Schlosshof

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Da geh’n mir die Schüsse ab!

Auf der Westseite des Schloss liegt der botanische Garten. Früher befand sich hier der Schlosspark. Saisonal bedingt war der botanische Garten nicht sehr interessant. Wie man auch unschwer auf den Fotos erkennt, hat uns der liebe Gott wieder vor Sonnenbrand bewahrt. Um die Hautalterung ohne teuren Crèmes zu verlangsamen, war auch die Luftfeuchtigkeit besonders hoch. Alles in allem, wettermässig ein beschissener Tag. Aber den Zürichern gehts ja wohl nicht besser.

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Sicht vom botanischen Garten

Das gute am botanischen Garten war das öffentliche Gratis-WC ;-) . Nach getaner Notdurf spazierte ich zur Universität. Uppsala ist für seine Uni berühmt. Es soll sogar Leute, die älter 50 sind geben, die ein Lied über Uppsala kennen. Die Universität Uppsala (1477) ist nach Lund (1425) die zweitälteste Universität Skandinaviens.
Das Hauptgebäude Universitetshuset gleicht leicht der ETH. Leider fehlt den Schweden aber die Kuppel…

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Universitetshuset

Bei meinem Spaziergang durch Uppsala habe ich noch viele weiter Universitätsgebäude gefunden. Eigentlich gehören alle schönen und älteren Häuser zur Uni.

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Ehemaliges Physikinstitut

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Irgend ein anderes Unigebäude

Die Universität hat nahmhafte Wissenschafter hervorgebracht. So zum beispiel Linné, Celsius und Ångström. Carl von Linné, oder Carl Nilsson Linnæus wie er vor der Erhebung in den Adelsstand geheissen hat, prägt das Stadtbild am meisten.
Im Jahr 1753 publizierte Linné ein zweiteiliges Werk, indem er auf 1200 Seiten alle 7300, ihm bekannte, Arten von Pflanzen beschrieb. In diesem Werk schuf Linné die Grundlagen der modernen botanischen und zoologischen Nomenklatur. Aus langen Bezeichnungen wurde kurze, zweitelige und einprägsame Pflanzennamen. Das Ergebnis der Einführung zweiteiliger Namen ist die konsequente Trennung der Beschreibung einer Art von ihrer Benennung. Diese Nomenklatur-Revolution passte nicht allen in den Kragen, weshalb er einige Feinde hatte. Linné nahm das jedoch mit Humor und benannte kleine, unbedeutende Gräser nach seinen Kontrahenten.
Unter seinen weiteren Errungenschaften ist auch die heutige Temperaturskala. Nach dem Tod von Celsius nahm er dessen Temperaturskala und drehte sie um. Sie ist noch heute gültig (0°C: Gefrierpunkt, 1oo°C: Siedepunkt), trägt aber immer noch Celsius’ Namen.

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Der Runen-Stein aus dem 11ten Jahrhundert wollte mit mir aufs Foto

Ein weiteres Wahrzeichen und schwer zu übersehen ist die Domkyrkan. Die Domkirche ist die Heimat von St. Erik, Gustav Wasa und Linné… seit deren Tod. Die Kirche ist mit einer Turmhöhe von 118 Metern die grösste von ganz Skandinavien. Baubeginn war bereits 1260. Kriege, Thronstreitigkeiten, Einstürze und die Pest verzögerten die Fertigstellung bis 1435. Mehrere Brände zerstörten immer wieder Teile der Kirche.

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Domkyrkan

Als ich bei der Kriche ankam, war gerade der Gottesdienst fertig. Es hatte extrem viele Pfaffen und vor allem Pfaffinnen um die Kirche. Bei so vielen hübschen Seelenhirtinnen könnte ich glatt noch religiös werden ;-) . Als ich das Pfarreianschlagbrett gelesen habe, wusste ich den Grund für den Menschenauflauf: Es war Bischofsweihe.

Nachdem ich mir den schönen Dom von Innen angesehen habe, ging ich weiterzur nächsten Kirche. Neben dem Dom erscheint die Helga Trefaldighets kyrka winzig. Mir hat sie aber trotzdem gefallen.

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Helga Trefaldighets kyrka

Auf der anderen Seite der Kirche war eine Sonnenuhr an der Fassade. Ich konnte mir bei diesem Wetter im besten Willen nicht erklären für was die gut sein soll.

Nach so viel heiligem musste wieder was weltliches her. Darum ich ich ins Upplandsmuseet. Das Museum ist in der alten Wassermühle aus dem 18ten Jahrhundert beherbergt und zeigt die Geschichte und Relikte von Uppsala.

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Alte Wassermühle von Uppsala

Wie LonelyPlanet schön beschrieben hat, erinnern die Häuser entlangs des Fyrisån (Fluss durch Uppsala) ein wenig an Amsterdam. Beim  Spaziergang entlang des  Flusses überezugte ich mich von dieser Aussage:

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Gebäude aus dem 17ten Jahrhundert

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Unterdessen war es „schon“ 3 Uhr und die Dämmerung setzte ein. Ich schlenderte noch ein bisschen durch die Gassen und bestaunte die schönen Häuser, bevor ich den Zug Richtung Hauptstadt bestieg.

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Reichsbank

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Noch die Karte von meiner Tour durch Uppsala:

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Herbstspaziergang

2. November 2009 von marcojakob

Gestern Abend war ich noch mit ein paar Mitbewohnern an einer Halloween Corridor Party beim KTH Campus. In Stockholm leben die meisten Studis in sogenannten Corridor Rooms. Das sind Wohnungen von 8-12 Zimmern mit eigener Dusche/WC. Die Küche wird aber mit den restlichen Bewohnern geteilt. Das kann unter Umständen recht lässig sein, das man mit vielen Leuten in Kontakt kommt. Auf der anderen Seite kann man sich ja vorstellen wie es rauskommt, wenn 12 Studenten EINE Küche teilen.
Heute morgen wäre ich in unserem Haus bei einem Österreicher zum Zmorge eingeladen gewesen. Leider habe ich bis halb 12 ausgeschlafen. Darum wurde nichts mit österreichischem Zmorge. Das mit dem zusammen zmörgele ist hier im Haus eine Tradition. Ich werde wohl auch bald mal Gastgeber sein.

Obwohl heute schon um 7:06 die Sonne aufgegangen sein soll, war es den ganzen Tag am Dämmern. Ganz komische Stimmung. Um 3 Uhr fing die richtige Dämmerung dann wirklich an und um 15:53 war Sonnenuntergang. Weil ich erst am Nachmittag aus dem Haus kam, blieb nicht viel Sonnenlicht übrig. Ich ging wieder zur Insel Djurgården und machte einen ausgedehnten Spaziergang. Die Herbststimmung war wunderschön.

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Der Djurgårdskanalen

Djurgården Kanal2

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Am Ostende der Insel mit Blick auf die Ostsee

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Mein Spaziergang

Stockholmer Aussichten und Wege am Wasser

31. Oktober 2009 von marcojakob

Heute stand wieder Sightseeing auf dem Programm. Angefangen hat es in einer asen herrgottsfrühe: um 10 Uhr gings los. Ich war noch der erste Touri. Meine Tour startete wieder am selben Ort wie das letzte mal, beim Kungsträdgården. Ganz in der Nähe leigt der Normalmstorg, von wo ein Tram Richtung Djursgården (Tiergarten) fährt. Früher war diese Insel das Jagdgebiet des Königs. Die Insel entging weitgehen dem Bauboom. Anfangs des 20sten Jahrhunderts beschloss der Reichstag, dass auf dieser Insel nicht mehr gebaut werden darf. Nun ist Djursgården sozusagen die grüne Lunge mitten in der Stadt.

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Von der Brücke die Östermalm und Djursgården verbindet hat man eine wunderschöne Sicht auf den Strandvägen mit den Gründerzeitfassaden.

Gründerzeitfassaden bei Strandvägen

Strandvägen

Gleich als erstes Gebäude auf der Insel sticht ein schlossähnliches Gebäude ins Auge. Das Nordiska Museet. Sozusagen das Pendant zum schweizer Landesmuseum.

Nordiska Museet

Nordiska Museet

Neben diesem Museum liegt der Galärkyrkogården (Galär Friedhof). Auf diesem Friedhof befindet sich das Estonia-Denkmal. Die Schiffkatastrophe der Estonia in der Ostsee hat am 28.9.1994 852 Opfer gefordert. An die Opfer erinnert ein Baum der einen Metallring mit den Koordinaten des Unglücks trägt. Der Baum ist von einem Dreieck aus Betonwänden, welche alle Namen der Opfer trägt, umgeben.

Estonia Monument

Estonia-Denkmal

Da heute der Alla helgons dag (Allerheiligen) ist war der Friedhof recht gut besucht. An diesem Tag gehen viele Schweden zu den Gräbern ihrer verstorbenen Mitmenschen um die Gräber zu Pflegen und um Kerzen anzuzünden.

View from Djurgarden

Aussicht von Djurgården auf die Stadt

Auf Djurgården wäre noch das Vasa-Museum und Skansen, ein Freilichtmueseum im Stil von Ballenberg. Dazu aber ein ander mal mehr, da ich beides nicht besucht habe. Von der Insel ging meine Reise mit der Fähre Richtung Slussen (Schleuse) weiter.

View from the ferry

Sicht auf die Stadt während der Schifffahrt

Slussen ist die Schleuse zwischen dem Mälarensee (Süsswasser) und der Ostsee (Salzwasser) und verbindet die Inseln Gamla stan und Södermalm. Slussen ist mit Abstand das hässlichste in Stockholm was ich bis jetzt gesehen habe. Viel Beton und riesen Verkehrschaos. Bei dieser Verkehrsführung kann nicht mal das zürcher Central mithalten. Und man muss sich vorstellen, dass die Verkehrsplaner es 1967 am Dagen H geschafft haben, den Verkehr von links auf rechts umzustellen ;-)

Slussen

Slussen

Von Slussen führte mich ein friedlicher Spaziergang durch Gamla stan. Beim Schloss wurde ich dann Zeuge von der, bei allen Touris bekannten, Wachablösung. Ein riesen Repräsentations-Tamtam was mit Wache nicht viel zu hat. Zwar sind die Soldaten richtig bewaffnet. Aber einem Angriff nach Art des 20ten Jahrhunderts können die wahrscheinlich nicht viel anhaben.

Wachablösung

Wachablösung beim Schloss

Vom Schloss überquerte ich die Brücke und war wieder auf der Insel wo das schwedische Parlament beheimatet ist. Wenn ihr euch langsam fragt wieviele Inseln es hier gibt kann ich euch beruhigen. Die Inseln lassen sich an 2.8 Händen abzählen. Stockholm ist auf 14 Inseln gebaut, die durch 57 Brücken verbunden sind. Stockholm heisst nicht ohne Grund „Stadt auf dem Wasser“ oder „Venedig des Nordens“. Früher hatten sich genau an diesem Ort Stromschnellen gebildet, welche Anlass zum Bau einer Burg auf der Insel (holm) Gamla Stan gaben. Zudem wurde die Passage zusätzlichen durch Pfähle (stock) verengt. So konnten alle Schiffe bestens kontrolliert und abkassiert werden und die schwedische Hauptstadt erlange so ihren Namen.

Eigentlich wollte ich wie letzten Samstag an der gratis Führung durch den Schwedischen Reichstag teilnehmen. Leider war aber auch diesmal die Gruppe schon komplett. Vielleicht will eine höhere Macht nicht, dass ich das Schwedische Parlament vor dem Bundeshaus sehe. Darum ging ich zum Stadshuset (Stockholmer Ratshaus) weiter. Hier findet alljährlich im Dezember die Nobelpreisverleihung mit dem König und 1300 Gästen statt.

Stadshuset

Stadshuset

Beim Stadshuset bestieg ich den Bus und wechselte wieder die Insel. Södermalm war an der Reihe. Söder liegt ein bisschen höher als der Rest von Stockholm. Ein ganz kleiner Weg (Monteliusvägen)  führt entlang der Klippe wo man eine super Aussicht auf die ganze Stadt hat.

View from Monteliusvägen

Aussicht vom Monteliusvägen

Kurz nach dem Monteliusvägen kommt schon der nächste Aussichtspunkt. Schon seit 1883 gibt es bei Slussen einen Lift (Katarinahissen) um die Klippenhöhe von rund 35m nach Södermalm zu überwinden. Der heutige Lift datiert von 1935.

Katarinahissen

Katarinahissen

Marco at Katarinahissen

Auf der Aussichtsterrasse beim Katarinahissen

Meine Reise ging aber nicht hinab nach Slussen, sondern führte in Södermalm weiter zur Katarina Kyrka, welche mit ihrer typischen Kuppel die Skyline von Södermalm prägt. Die Kirche ist 1990 abgebrannt, wurde aber inzwischen wieder originalgetreu restauriert.

Katarina Kyrka

Katarina Kyrka

Mein Tag endete mit einem Spaziergang durch die Kopfsteinpflastergasse Mäster Mikaels gatan. Mäster Mikael war der Henker von Stockholm im 17ten Jahrhundert. Die niedrigen Holzhäuser die heute noch so stehen wie sie 1729 gebaut wurden sehen ziemlich herzig aus. Die Häuser wurden vorwiegend von Handwerkern und Arbeitern bewohnt und gehörten 1900 zum überfülltesten Slum dieser Region.

Mäster Mikaels Gata

Mäster Mikaels gatan

Dies ist noch der Kartenausschnitt von meiner Tagestour.
-Blau: Tram und Buss
-Rot: Fähre
-Grün: Fussmarsch

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Vetenskap och Konst

30. Oktober 2009 von marcojakob

Vetenskap och konst

Wissenschaft und Kunst

Heut behandle ich mein akademisches Umfeld in Schweden. Eines kann schon vorweg gesagt sein, vieles ist hier nicht anders. Ich denke mir, dass Bürokratie an der ETH für einen Ausländer gleich kompliziert und nicht ganz verständlich ist. Zum andern sehen auch in Schweden die ganzen Nerds, Freaks und Geeks genau gleich aus wie in der Schweiz.
An der ETH gibt es viele Management-Studenten aus nordischen Ländern. Den meisten sieht man schon weitem an, dass sie Management studieren und aus dem Norden kommen. Die sehen einfach aus wie Managementstudis: Röhrlihose, Hemd, trendige Strassenschuhe und strähnige Frisur. Nun ist mir hier aber aufgefallen, dass viel Leute hier genau gleich aussehen. Jetzt frage ich mich natürlich, ob Schweden einfach so aussehen oder ob die hier einfach alle Management studieren. Vielleicht lüftet sich mir das Geheimnis in den nächsten 5 Monaten noch.
Vielleicht denken sich die Schweden hier von mir auch: „Aha, ein Schweizer Maschinenbauer“. Vielleicht falle ich hier aber auch gar nicht so fest auf zwischen all den Deutschen, Franzosen und vor allem Asiaten. An der KTH studieren etwa 19% Ausländer. An der ETH ist dies übrigens nicht anders. Auch dort Bewegt sich die Ausländerquote um die 20%.

Und dann grad noch eine Gemeinsamkeit mit der ETH: beide Schulen wollten mitten in der Stadt einen Atomreaktor betreiben. Die ETH wollte selbst einen Reaktor entwickeln und so den Wärme- und Heizwasserbedarf zu decken. Der Bundesrat entschied sich dann aber für einen Versuchsreaktor in Lucens VD. Wie die Geschichte endete dürfte bekannt sein.
Die Schweden hatten einen anderen Ansatz gewählt. Weil die Amis nach dem zweiten Weltkrieg die Atombombe besassen (und Schweden nicht), wollte die militärische Führung das ändern. Weil so gut wie kein Wissen auf dem Gebiet vorhanden war, fing man einfach mal unter der KTH im Stadtgebiet an zu Basteln. Mit dem Ziel „irgendwas mit Neutronen zu machen“ entstand innert einigen Jahren (1954)  ein 300kW Reaktor. 1970 kamen die guten Leute zur Vernunft und stellten das Ding wieder ab. Heute steht eine Mensa an dem Ort ;-)

Im Unterschied zur ETH gibt es hier nicht eine grosse Mensa für alle Studenten. Es gibt auf dem Hauptcampus etwa 4 bis 5 kleinere Mensen. Diese kosten jedoch mehr als in der Schweiz. So zwischen 8 und 10 Franken. Das Menü beinhaltet meistens ein Gericht, ein Getränk, Salat und Kaffee. Da die Preise recht hoch sind, essen viele Studenten ihr mitgebrachtes Essen. Ich habe mich der gesunden Ernährung wegen für eine andere Strategie entschieden. Jeden Mittag gehe ich mit den Doktoranden Zmittag essen. Rund um die KTH gibt es einige Restaurang die Menüs für Studenten anbieten. Um die 10 Franken bekommt man meistens auch ein Menü, Salat, Getränk und Kaffee. Die Doktoranden vom Institut kennen rund 10 Beizli. Bis jetzt habe ich schon Mexikanisch, Japanisch, Indisch, Thailändisch und Europäisch gegessen. Ich bin jetzt schon gespannt was für kulinarische Höhenflüge mich nächste Woche erwarten.

Nun zur Auflockerung der Augenmuskulatur ein paar Bildli:

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Eingang zum Hauptcampus

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Innenhof des Hauptcampus

Bibliothek

Bibliothek

Wie in einem der ersten Beiträge erwähnt, sind hier fast alle Gebäuder an der KTH aus rotem Backstein gebaut, so auch das Gebäude des Departements Farkost och flyg (Aeronautical and Vehicle Engineering). Arbeiten tue ich im Matrixelement [3,3] und Kaffee gibts im Element [1,1]. Nun noch für alle normalen Leute: Arbeiten im dritten Fenster von link im dritten Stock und Kaffee im linken oberen Fenster. Von dort hat man eine wunderschöne Aussicht über die Stadt, falls denn die Sonne mal rauskommt. Und genau das ist sie heute zum ersten mal nach 12 Tagen. Aber eben das mit der Sonne ist so eine Sache. Zur Zeit fängt es um 4 an einzudunkeln. Aber kein Problem, es wird ja noch schlimmer…

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„Mein“ Büro

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Die Aussicht aus dem Büro

Wenn ich schon beim Thema Gebäude bin: In Schweden gehören fast alle Universitäts-Gebäude der Akademiska Hus. Dies ist eine Aktiengesellschaft, die zu 100% dem Staat gehört. Die Akademiska Hus verwaltet mehr als 3 Millionen Quadratmeter Fläche mit einem Wert von mehr als 6.5 Milliarden Franken. Diese Firma verlangt von den Universitäten und Departementen Marktübliche Mieten für die Gebäude. Diese Praxis wird von vielen als nicht sehr sinnvoll befunden. So geht das meiste Forschungsgeld, das zum grossen Teil vom Staat kommt, als Miete wieder genau zu selbigem zurück. Also ein grosser Kreislauf von Geld.

Akademiska Hus

Akademiska Hus

Diese Woche ist mir aufgefallen, dass alle Studienarbeiten (Bachelorarbeit, Semesterarbeit und jetzt Masterarbeit) von Frauen betreuten wurden/werden. Diesmal sogar von zwei. Das macht dann total 4 Betreuerinnen. Und das im Maschinenbau. Unglaublich!

A propos Frauen: Ich freue mich auf weiblichen Besuch im November ;-)

BBQ & Ishockey

28. Oktober 2009 von marcojakob

Gestern Abend wurde ich in unserem Wohnhaus zum Grillieren eingeladen. Dabei habe ich viele Leute kennengelernt und einiges über das Haus erfahren. Das Gebäude hat 12 Stockwerke. 5 davon werden von der KTH an Austauschstudenten vermietet. Da bin ich also in bester Gesellschaft. Ich denke von nun an wird immer was laufen. Gestern nach dem BBQ hats mit Pokern angefangen. Glück hatte ich nicht sonderlich, dafür Spass. Erkaufe ich mit halt meine Freundschaft ;-) .
Anscheinend backen hier die meisten Studis ihr Brot selbst. Sie bezeichnen sich selbst als die Bäckerei von Stadshagen (der Stadteil in dem wir wohnen). Nun werde ich auch mal ein Brot backen. So ein keiben kogen gutes Buurebrot. Bin ja gespannt ob mir das gelingt.

Heute Abend stand Sport auf dem Programm. Ich ging mit Javier und seiner Freundin an einen Ishockey Match des lokalen Djurgårdens Idrottsförening (DIF). Der DIF spielt in der Eliteserien, der höchsten schwedischen Liga. Zur Zeit ist der DIF auf dem 5ten Tabellenplatz. Heute sind sie gegen den zweitplatzierten Skellefteå AIK angetreten. Der Match hat super angefangen, hatte einen kurzen Durchhänger im zweiten Drittel und endete 2:3 in einem bombastischen Schlussdrittel. Das Spiel fand in der Hovet Arena, die eine Kapazitat von 8300 Zuschauern hat, statt. Mit 7800 Nasen war das Spiel heute beinahe ausverkauft, was zu einer Bombenstimmung beitrug.

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Hovet: DIF – Skellefteå

Oft werden Spiele des DIF aber in der Globenarena durchgeführt. Die Globenarena wurde 1989 als das größte sphärische Gebäude der Welt erbaut. Die Arena hat einen Durchmesser von 110 Meter und eine Höhe von 85 Meter, sowie eine Kapazität von rund 14000 Zuschauern. Ich hoffe es gibt in dieser Saison mal ein Spiel im Globen. Diesen Spass möchte ich mir nicht entgehen lassen.

Globen

Globen by Night

Kungliga Stockholm

24. Oktober 2009 von marcojakob

Heute haba ich mit den touristischen Aktivitäten in Stockholm begonnen. Ich habe mir das königliche Stockholm vorgenommen. Gestartet bin ich beim Kungsträdgården, dem Königsgarten. Auf diesem von Linden gesäumten Platz wurde vor 300 Jahren das Gemüse für den König angepflanzt. Gleich an den Platz angrenzend, steht die Kirche zu meinen Ehren, die Jakobs kyrka. Gleich nebenan steht die Operan. Über eine kleine Brücke habe ich Norrmalm (Stockholm City, Geschäftsviertel) verlassen und bin auf der Insel Helgeandsholmen angekommen. Diese Insel ist sehr klein und beherbergt nur das Riksdagshuset, das schwedische Parlament. Gleich nebenan befindet sich die Insel Gamla stan, die Altstadt. Auf dieser befindet sich das Kungliga slottet (königliches Schloss).Mit 608 Räumen ist es der grösste noch genutzte Palast weltweit.

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Königsviertel

Vlnr: Schloss, Parlament, Oper, Jakobskirche, Königsgarten

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Königsschloss

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Parlament

Links von Gamla stan liegt die kleine Insel Riddarholmen (Ritterinsel) mit der Kirche Riddarholmykyrkan, in welcher die meisten schwedischen ihre letze Ruhe fanden. Das interessante an dieser Kirche ist ihr Turm. Dieser hat eine gusseiserne Spitze.

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Riddarholmskyrkan

Von dieser Insel hat mam einen wunderschönen Überblick auf den Riddarfjärden (östlichste Bucht des Mälarsees) und das Stadshuset (Rathaus von Stockholm).

Riddarfijärden

Riddarfjärden

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Der Beweis dass ich tatsächlich in der Kälte in Stockholm rumgelatscht bin und nicht alle Fotos aus dem Internet kopiert habe ;-)

Auf meiner ganzen Tour bin ich immer wieder an Statuen von vergangen Königen vorbeigekommen. Aufgefallen ist mir, dass alle ähnlich heissen: Karl, Gustav, Adolf und Kombinationen von diesen Namen versehen mit einer römischen Zahl.

Weiter habe ich beim Schloss noch eine Kuriosität entdeckt:

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Königliche Telefonzelle

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Wie auch die Zürcher sind die Stockholmer nicht gefeit vor Trendis und Szenis mit Fixies

Erste Tage

23. Oktober 2009 von marcojakob

Sodeli, heute gibts wieder mal was zu lesen. Hier passiert einfach viel weniger als in Sierra Leone. Am morgen aufstehen, zur KTH pendeln, Zeug lesen, nach Hause gehen, kochen, schlafen. Und dann beginnts schon wieder von vorne. Ok, ganz so langweilig ists dann doch nicht.

Ich habe ja von meinem Ausflug zur IKEA berichtet. Nun habe ich herausgefunden, dass dies der weltgrösste IKEA ist. Sagenhafte 55200 Quadratmeter gross. Diese Filialie steht im Stadteil Kungens kurva. Dieser Ort besteht auschliesslicht aus grossen Einkaufshäusern. 15 Millionen Kunden pro Jahr generieren hier 650 Millionen Euro Umsatz. Somit ist diese Konsumlandschaft der grösste Handelsplatz Skandinaviens. Kungens kurva bedeutet übrigens Die Kurve des Königs. Diesen Namen erhielt diese Region, weil der König in den 40er-jahren sein Auto bei einem Unfall in einen wassergefüllten Graben setzte. Dummerweise war gerade ein Photograph in der Nähe und hat das Missgeschickt für die Nachwelt festgehalten.

Da ich nun im Land von IKEA bin, nutze ich die Gelegenheit. Aus diesem Grund bin ich am Dienstag Abend zusammen mit Javier in den zweiten Stockholmer IKEA gepilgert. Javier ist an der KTH im selben Büro wie ich und schreibt ebenfalls für 6 Monate seine Masterarbeit. Der Besuch beim nördlichen IKEA war aber ziemlich enttäuschend. Diese Filiale war im Vergleich zu Kungens Kurva winzig. Nach einer Stunde waren wir auch schon duch den ganzen Laden gelatscht. Zur Stärkung gabs dann am Ausgang noch ein paar Wienerkorv. Das sind sie Hotdogs, die es in jedem IKEA gibt. Im Unterschied zur Schweiz gibts in Schweden aber 3 (!) verschiedene Senfarten.
Nach dem Lädelen haben wir schnell unsere Einkäufe nach Hause gebracht und sind dann direkt weiter zum Universitätscampus gegangen. Eine Verbindung, welche in einer grossen, gelbbemalten Villa beheimatet ist, hat eine Party geschmissen. Es waren extrem viele Austauschstudenten dort und die Stimmung war genial. Wahrscheinlich lag es unter anderem am billigen Bier. Lustigerweise habe ich an der Party geschafft, was ich zu Hause in meinem Wohnblock nicht möglich war. Ich habe meinen Nachbarn kennengelernt. Er wohnt direkt vis-à-vis von meiner Türe. Mein Nachbar kommt aus Frankreich und macht hier auch ein Erasmus-Semester.
An der Party sind mir 2 Dinge aufgefallen. Schweden ist in allen Clubs und Restaurants rauchfrei. Und das sogar an einer Studiparty, bei der der Alkpegel ziemlich hoch war. Was in halb Europa funktioniert soll in der Schweiz nicht auch funktionieren? Ich denke nicht, dass die Schweden wegen dem Rauchverbot weniger trinken. Das hat sich denn auch in der Tunnelban (Metro) gezeigt. Die Schweden waren am meisten betrunken.
Das zweite das an der Party sowie an den meisten Orten in Stockholm anders gehandhabt wird, ist die WC-Situation. Hier gibt es einfach EINE Toilette. Zwischen Mann und Frau wird nicht unterschieden. Die weibliche und die männliche Notdurft wird an der selben Stelle verrichtet.

Was in Schweden auch komplett anders ist als im Deutschen: man ist mit allen Leuten per Du und spricht sie mit dem Vornamen an. Die Schweden haben in den 60er-jahren, in der sogenannten Du-Reform, angefangen auf die Höflichkeitsform zu verzichten. Am Anfang ist das ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Aber eigentlich macht es die ganze Sache ziemlich einfach. Die einzige Person die man in Schweden noch Siezt ist der König. Also nichts von wegen „Sehr geehrter Herr Jakob“ sondern eifach „Hej Marco“. Reicht ja schliesslich auch.

Weiter habe ich diese Woche noch alle möglichen administrativen Sachen erledigt. Ich habe wie schon erwähnt eine schwedische Nummer, habe mich beim Studentenverband angemeldet (ist hier obligatorisch und kostet 30 Franken pro Semester. Dafür gibt es eine Legi, welche viele Vergünstigungen mit sich bringt), weiter habe ich mich bei der Bibliothek registriert, den Computerzugang an der KTH organisiert sowie einen Büro-Schlüssel und einen Tür-Batch aufgetrieben. Aber auf was ich am meisten stolz bin, ist ein Bankkonto. Ich bin jetzt für 6 Monate Kunde von der SEB – Skandinaviska Enskilda Banken. Nun bin ich ein halber Schwede. Aber eben nur ein halber. Mir fehlt etwas extrem wichtiges: die personnummer. Das Schwedische äquivalent zur AHV-Nummer. Die wird hier für alles mögliche gebraucht. Überall wo man sich registrieren, sich anmelden oder nur etwas reservieren will, wird diese Nummer verlangt. Und da lag nun auch das Problem bei der Kontoeröffnung. Beim ersten Bankbesuch konnte man mir ohne personnummer nicht helfen. Um das Konto zu eröffnen brauchte ich die Bestätigung, dass ich an der KTH studiere, beim Studentenverband registriert bin sowie den Mietvertrag meiner Wohnung.

Nun zu meiner Masterarbeit. Ich schreibe sie an der KTH, an der School of Engineering Sciences, im Department of Aeronautical and Vehicle Engineering, in der Division of Lightweight Structures zum Thema On the influence of consolidation (and nano fibres) on the forming properties of cross-plied prepreg materials. Nun spätestens dürften alle Klarheiten beseitigt sein ;-) . Ich hoffe ich bringe in den nächsten 6 Monaten ein bisschen Licht ins Dunkel.
Die Arbeitsumgebung macht einen super Eindruck auf mich und die Leute die ich getroffen habe, sind sehr freundlich. Ich werde von zwei Frauen – Malin und Ylva – bestens betreut. Malin hat vor 10 Jahren als erste Frau an diesem Institut ihren Doktortitel erhalten. Ylva wird in einem Jahr die zweite Frau sein.
Das Departement sorgt auch ziemlich gut für sein Humankapital. So gibt es zum Besipiel gratis Früchte und eine gratis Kaffeemaschine. Diese ist sozusagen eine Lebenserhaltende Massnahme in Schweden. Wie alle nordischen Länder hat Schweden einen horrenden Kaffeeverbrauch. Mit 8.2 kg pro Einwohner und Jahr liegt Schweden knapp vor der Schweiz.
Jeden Donnerstag Nachmittag gibts fika. Kaffee und Kuchen für die ganze Division. Gestern waren aber nur Schweden dabei. Darum habe ich nicht sehr viel mitbekommen. Auf  Schwedisch verstehe ich bis jetzt nocht nix.
Besser ergings mir am Donnerstag Abend beim Institution-Öl. Also beim Feierabendbier des Departements. Dort waren fast nur Doktoranden aus dem Ausland. Darum fanden die Gespräche auch hauptsächlich in Englisch statt.

Da das Wetter in dieser Woche nie wirklich gut war, habe ich von der KTH noch keine Fotos geschossen. Sobald sich die Sonne wieder mal getraut herauszukommen, werde ich das nachholen.

Schönes Wochenende!

Arbeitsbeginn

19. Oktober 2009 von marcojakob

Heute habe ich an der KTH angefangen. Gefunden hatte ich die Uni recht schnell. 3 Stationen mit der U-Bahn ins Zentrum, dann umsteigen und weitere 3 Stationen nordwärts. Der Campus ist recht herzig. Alles ist aus rotem Backstein gebaut. Aber viel schöner als mein Hochhaus. Wenn ich mal Zeit habe, gibts natürlich Fotos davon.

Heute habe ich noch nicht sehr produktiv gearbeitet. Ich habe nur administratives erledigt. Malin, meine Betreuerin, ist sehr lieb. Sie hat mich den ganzen Tag rumgeführt, mich Leuten vorgestellt und mich zum Zmittag eingeladen. Ich arbeite in einem Büro mit zwei weiteren Studenten. Ein Student aus Madrid hatte letzte Woche mit der Masterarbeit begonnen und eine Chinesin aus Bejing die schon seit 2 Jahren an der KTH studiert und nun ebenfalls eine Arbeit am Institut schreibt. Bei ihnen habe ich mich erkundigt wie lange sie so arbeiten. Vor 10 sind sie nicht im Büro, dafür gehen sie um 5 dann aber auch nach Hause. Mal schauen ob ich das auch so durchziehe. Von der ETH bin ich mir längere Tage gewohnt. Heute hatte ich um 5 Uhr auch genug und bin nach noch schnell ins Stadtzentrum. Dort habe ich mir eine schwedische Telefonnummer gekauft. InSchweden bekommt man, im Gegensatz zur Schweiz, Prepaid-Karten ohne einen Identitätsnachweis. Ab nun bin ich folgendermassen erreichbar:

+46 73 585 44 53

Und noch was zum Wetter: Es hat etwa 5-6°C und hat immer wieder sonnige Abschnitte zwischen Nieselregenperioden. Bis jetzt noch nicht schlimm. Schnee soll es in Stockholm selten geben. Es sei nur kalt und die Strassen vereist.

Für heute ist wieder Schluss.

Varmt välkommen!

18. Oktober 2009 von marcojakob

Claudia und ich mussten gestern ziemlich früh aus den Federn um mein Flugi nach Stockholm zu erreichen. Mit einem der ersten Busse sind wir zum Bahnhof Hardbrücke gefahren. Dort haben wir mit Schrecken festgestellt, dass noch gar keine Züge um diese Zeit fahren. Dabei habe ich am Vortag extra im Internet nachgeschaut. Dummerweise habe ich mich im Bahnhof geirrt. Eigentlich wäre es Wipkingen gewesen. Zum Glück kam dann der richtige Bus genau in dem Augenblick als wir das realisiert haben. Schliesslich kamen wir um halb 6 am Flughafen an. Dort stellte sich dann schon das nächste Problem. Nach Berichten von neutralen Begutachtern soll mein Gepäck viel zu schwer sein. Erlaubt wären 20kg. Und das um 6 Monate zu überleben. Ich habe mein Gepäck am Schalter auf die Waage gelegt und mir nichts von den 5.6kg Übergewicht anmerken lassen. Der nette Herr am Check-in schaute auf die Waagenanzeige, befestigte die Zettel am Koffer und schob diesen ohne Wimper zu zucken auf das Förderband. Vielen Dank an dieser Stelle. Im Flugzeug habe ich dann einen möglichen Grund für die Kulanz erkannt. Das Flugzeug war halb leer voll.

Im Flüger

Nach einem gemütlichen Flug über den Wolken kam ich ihn Stockholm Arlanda an. Am Infodesk habe ich mich erkundigt, wie man ins Stadtzentrum kommt. Was mir aufgefallen ist, Infos gibts nur wenn man sich ein Nümmerli löst wie bei uns bei der Post. Der Chinese wurde schroff abgewimmelt, als er ohne Nummer was Fragen wollte. Der nette Herr erklärte mir dass man für 20 Stutz in 40 Minuten das Zentrum erreicht. Mit dem Schnellzug divergiert die Fahrzeit und der Preis: 40 Franken für 20 Minuten. Ich habe mich für die gemächlichere Variante entschieden. Während der Autobahnfahrt habe ich kleine Unterschiede zur Schweiz entdeckt. Die Laternen und strassenüberspannenenden Anzeigetafeln sind nicht aus massiven Stahl, sondern sind ganz filligrane Fachwerkkonstruktionen. Die sehen ganz leicht und zerbrechlich aus. Was mich erstaunt hat ist, dass ich auf der ganzen Fahrt keinen einzigen IKEA gesehen habe.

Da ich den Schlüssel für meine Wohnung nur unter der Woche abholen könnte, hat dies meine Masterarbeitbetreuerin für mich gemacht. Ihr Arbeitet in der Innenstadt in einem Reisebüro. Sie hat dort den Schlüssel für mich hinterlegt. Ihr Kommentar dazu:

Apollo (Anm. d. Redaktion: das Reisebüro) is owned by a Swiss company, Kuoni, so what can go wrong?

Tatsächlich war das Fräulein am Schalter informiert und hat mir ohne mich auszuweisen den Schlüssel ausgehändigt. Nach einer einfach Metrofahrt bin ich in der Gegend wo ich wohnen sollte angekommen. Nach einer Stunde Umherirren durch die Strassen mit meinem ganzen Gepäck im Regen habe ich dann glücklicherweise meinen Häuserblock gefunden. Ein hässlicher Backsteinziegelturm. Die Aufbau im Innern des Klotzes erinnert mich schwer an ein Spital. Sieht ziemlich steril aus. Auch sind alle Studios in langen Gängen angeordnet.

Roter Ziegel

Mein „Haus“

Meine Zimmernummer lautet 414. Mit ein bisschen Kombinieren habe ich angenommen, dass mein Zimmer das 14te Zimmer im 4ten Stock ist. Dort musste ich feststellen, dass dort alle Zimmernummern mit einer 5 beginnen. Im 3ten Stockwerk war ich dann am richtigen Ort. Im Zimmer habe ich erleichtert festgestellt, dass das Studio wie abgemacht möbliert ist. Das war dann auch schon alles. Kein WC-Papier, keine Pfannen, kein Geschirr, kein Vorhang, kein Duschvorhang, keine Kleiderbügel,…. einfach von allem was ein Überleben ermöglicht ein bisschen „kein“. Darum bin ich wieder in die Innenstadt gefahren, wieder eine Stunde umhergeirrt, um festzustellen, dass es dort keine Läden à la Migros gibt. Ich habe die Infos die ich wollte dann schliesslich von Einheimischen erfragt. Die Situation erinnerte mich stark an die Erfahrungen in Kiev. Du willst etwas kaufen, hast aber keine Ahnung wo. Zum Glück sprechen hier alle Leute Englisch. Das erleichtert die Sache schwer. Schlussendlich habe ich dann ein riesen Geschäft (so MM-Migros-mässig) 5min von meinem Zimmer entfernt gefunden. Dort habe ich mich mit dem wichtigsten eingedeckt: eine Bratpfanne, normale Pfanne mit Deckel, 2 Tassen, 4 Gabeln, 4 Löffel, 2 Messer, 1 Schäleli, Öl, Salz, Pfeffer, Spaghetti, Wüfelzucker, Tomatenpüree, Tomatensauce, Abwaschmittel, Tüechli, Bäseli, Lümpen, Peperoni, 2 Bier, Speckwürfeli, Rahm, WC-Papier, tiefgefrorene Lasagne, Tee,… gekostet hat mich der Spass 110 Franken. Ich war erstaunt dass es nicht teurer war. Im Coop wäre das in der Schweiz sicher teurer gewesen.

zimmerpanorama

Panorama von meinem Zimmer. Ganz Links ist der Eingang sowie die Nasszelle.

Um meinen Hausrat zu vervollständigen gehe ich heute in einen Vorort. Dort soll ein IKEA stehen. Ich habe das Gefühl die Schweden sehen das mit Sonntag und Ruhetag nicht so eng. Die grossen Einkaufszentren habe auch heute bis 8 oder 10 offen. Mir solls recht sein.

Ikea Sonntag Nachmittag

Sonntag Nachmittag im Vorort

So, nun bin ich wieder vom IKEA zurück. Das kann man sich fast nicht vorstellen. Halb Stockholm (und ich) war im Vorort in der IKEA und hat sich die Zeit in den Supermarkts totgeschlagen. IKEAs, MediaMarkts und wie sie alle heissen sind ja in der Schweiz schon ziemlich gross. Was ich aber heute gesehen habe ist noch gigantischer. Damit man einen guten Scheidungsgrund hat, muss man nur mal mit seineren besseren Hälfte einen halben Tag in diesen Konsumtempeln verbringen. Irgendwie ist der IKEA hier auch ziemlich lustig. Die Produkte heissen natürlich gleich wie in der Schweiz, nur ist die Beschreibung der Produkte halt in der gleichen halbverständlichen Sprache. Mit ein bisschen Englisch, Deutsch und Kreativität kann man Schwedisch ein bisschen lesen. Meine Sprachkentnisse haben heute für eine Decke, Kopfkissen, Bettwäsche, Duschvorhang, mehr Geschirr gereicht. Damit ich mich getrauen kann Gäste einzuladen gabs noch einen Besen sowie Schüfeli&Bäseli.

Für meine Gäste meine aktuelle Adresse:

Marco Jakob
S:t Göransg. 147A:414
112 17 STOCKHOLM
Schweden

+46 73 585 44 53

Morgen gehts dann zum ersten Mal an die KTH. Ich bin gespannt wie es wird. Wie es mir ergangen ist, schreibe ich dann nächstes mal.

S:t Göransg. 147A:414