In Göteborg bei John

Da ich mit meiner Masterarbeit schneller vorwärts gekommen bin als erwartet, habe ich jetzt komischerweise am Schluss noch freie Zeit. Diese nutze ich nun um alles nachzuholen, was ich in Schweden erledigen wollte, aber nicht konnte. Dieses Wochenende stand zum Beispiel Göteborg auf dem Programm. Zur Zeit ist John in Göteborg und schreibt auch seine Masterarbeit an der Technischen Hochschule Chalmers. John war im Jahr 2008 zusammen mit mir in Sierra Leone und hat dort auch ein IAESTE Praktikum gemacht.

Ein kleier Exkurs über Göteborg: Mit etwa einer halben Million Einwohner ist Göteborg die zweitgrösste Stadt Schwedens. Im Vergleich zu Stockholm weist Göteborg eine klimatisch günstigere Lage auf und bietet mit einem eisfreien Seehafen einen bedeutenden Wirtschaftsvorteil.
Das heutige Göteborg wurde 1619 gegründet. Nördlich der Stadt lag damals noch Norwegen, südlich direkt Dänemark. Die Stadt wurde dementsprechend als befestigter Aussenposten Schwedens angelegt. So wurde Göteborg mit der Zeit eine der am stärksten befestigten Städte in Nordeuropa, mit Steinmauern und einem zickzackförmigen Stadtgraben. Im 18ten Jahrhundert wurde Göteborg zum Zentrum für den Handel mit China und dem übrigen Fernen Osten, was enorm zum wirtschaftlichen Aufschwung  der Stadt beitrug. Auch der Handel mit Grossbritannien wuchs, als Napoleon mit der Kontinentalsperre (wirtschaftlichen Blockademassnahme) gegen Grossbritannien  vorging. Im 19ten Jahrhundert wurden die Festungswerke geschleift. Nach Napoleons Fall (1815) auch hörte die französische Blockade auf, und damit begann auch Göteborgs Boom als Handelsstadt abzuflauen. Im weiteren Verlauf wurden in der Stadt mehrere Banken gegründet, die die wirtschaftliche Entwicklung wieder positiv beeinflussten. Daneben entwickelte sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine blühende Werftenindustrie. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Hafen Göteborgs zum grössten Exporthafen Nordeuropas. Dazu trugen die neu gegründeten international ausgerichteten Industrieunternehmen (allen voran die Textilindustrie) der Stadt bei. In dieser Zeit wurde auch die Firma SKF gegründet, welche Kugellager herstellte. Während der Finanzkrise der Zwanziger Jahre schwankte die Nachfrage nach Wälzlagern. Um einen neuen Absatzmarkt zu finden, wurde eine Versuchsabteilung gegründet, welche zum Ziel hatte, Versuchsautos zur Erprobung der damals neuen Wälzlager zu bauen. Daraus entstanden ist VOLVO. Göteborgs Werften waren bis in die 1970er Jahre ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor der Stadt. Danach konnten sich die Werften gegen die internationale Konkurrenz nicht mehr wirtschaftlich behaupten, so dass der Schiffbau in Göteborg aufgegeben wurde.

Am Samstamt Morgen bin ich also von Arlanda nach Göteborg geflogen und bin mit dem Bus in die Stadt gefahren, wo mich John abholte.

Blick auf das gefrorene Archipel vor Stockholm

Beim Bahnhof und Busterminal haben wir uns dann sofort auf unsere Stadterkundungstour aufgemacht. Gleich neben dem Bahnhof ist ein riiiiiesen Konsumtempel, der den Namen Nordstan trägt. Dieser Komplex ist eigentlich ein ganzes Quartier und besteht aus 9 verbundenen Gebäuden mit einer Gesamtfläche von 320’000 m2 und ist damit das grösste Shoppingcentre Skandinaviens. Beherbergt werden rund 180 Läden welche von etwa 35 Million Kunden pro Jahr aufgesucht werden (Europarekord). Und noch eine erstaunliche Zahl: Auf dem Areal findet man 3 (!!!) MacDonalds (und ein Burger King, ein Pizza Hut und andere Fettmacher). Und noch was, 6000 Leute sind hier angestellt.

Hauptbahnhof

Altes Postgebäude

Im Nordstan fand gerade irgend ein Anlass statt. Lauter Mädchen waren am Gymnastik machen, am Rumturnen und Akrobatiknummern am vorzeigen. Wahrscheinlich war es das Casting fürs Schwedische Bikini Team 2010 ;-)

Auswahlverfahren fürs Schwedische Bikini Team im Nordstan

Meine Begleiter: Johrn, Mark, Zuzan

Nachdem wir ein bisschen durch diese abgeschottete Konsumwelt geschlendert sind, gings weiter zum Hafen Lilla Bommen und der Oper.

Im Hafen Lilla Bommen liegt der grösste in Skandinavien erbaute Windjammer, die Viermastbark Viking (Baujahr 1906) fest vertäut und dient als Hotel und Museumsschiff.

Viking

Auf der anderen Seite des Flusses liegt der Industriehafen und die alten Werfts, welche heutzutage nur noch Unterhaltsarbeiten durchführen.

Industriehafen

Operan

John beim Hafen Lilla Bommen mit dem rot-weissen Hochhaus “läppstift” (Lippenstift)  im Hintergrund

Shit happens

Gleich neben der Oper befindet sich das Maritima Museum, welches aus rund 15 verschiedenen Schiffen besteht, welche im Hafen liegen und mit Stegen miteinander verbunden sind. Aber wie so vieles in Schweden war das Museum nur von April bis September geöffnet. Tja, ich bin mich ja langsam daran gewohnt.

Da mach ich doch glatt die Schiffschraube

Die Antwort auf den Wüstensohn aus Tripolis

Vom Maritima Mueseum sind wir mit dem Tram über den Fluss in den Norden gefahren. Jawohl Göteborg hat blau-weisse Trams wie Zürich. Göteborg ist neben Norrköping  die einzige Stadt in Schweden, die ihre Strassenbahn  bei der Umstellung auf Rechtsverkehr 1967 behalten hat. Beim Keillers Park sind wir auf den 87 Meter hohen Berg Ramsberget gewandert. Von der “Bergspitze” hatten wir eine wunderschöne Aussicht auf Göteborg un deren Hafen.

Blick vom Ramsberget

Lustige Kunst im Keillers Park

Nachdem wir die Aussicht und die Sonne genossen hatten, gingen wir zurück in die Stadt und genehmigten uns ein Guinness. Nachdem Nachtessen gingen wir Bowlen. Das war ein riesen Spass. Als es gegen die Polizeistunde (1 Uhr) zuging bekamen wir immer mehr Gesellschaft von Ureinwohnern, deren Aussprache nicht mehr ganz klar war. Erstaunlich wie sich so viele Schweden trotz der hohen Alkoholpreise so die Lampe füllen können.

Bowling-Meister John und ich

Am nächsten Morgen stand dann der zweite Teil der Stadterkundung auf dem Programm. Gestartet haben wir mit der Technischen Hochschule Chalmers. Hier schreibt John seine Masterarbeit. Genau an dieser Uni studiert auch der Joggel, der vor einer Woche eine Amokdrohung gegen die KTH in einem Onlineforum veröffentlich hat.

Chalmers

Danach gings ins Zentrum der Altstadt.

Gustav Adolfs Torg mit Rådhus und Stadshus

Brunnsparken

Domkyrka welche in den Jahren 1802–1815 erbaut wurde

Strasse mit blau-weissen Trämli

Altes Gebäude der pädagogischen Hochschule (den Neubau habe ich irgendwie nicht schlau abbilden könne)

Saluhallen von Göteborg (Markthalle)

Stora Teatern

Nobel wirkt die Gegend um die Kungsportsavenyn, an deren Ende der Götaplatsen liegt, das Kulturzentrum der Stadt mit seiner Poseidonstatue (1931), die eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Am Platz befinden sich zudem das Konstmuséet, Konserthuset  und Stadsteatern.

Kungsportsavenyn

Kunstmuseum mit der Poseidonstatue

Blick vom Kunstmuseum auf die Kungsportsavenyn

Vasakyrkan

Die Universität Göteborg wurde 1891 gegründet und ist nach der Universität Uppsala und der Universität Lund die drittälteste Universität in Schweden und eine der grössten Universitäten Skandinaviens.

Universität Göteborg

Skansen Kronan ist eine Schanze welche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf einem kleinen Hügel außerhalb der Stadtmauern gebaut wurde. Die Festung wurde als Teil der Verteidigung gegen einen möglichen Angriff von den Dänen aus dem Süden gebaut und liegt heute in der Innenstadt.

Skansen Kronan von weit

Skansen Kronan von nah

Esperantoplatsen

Die Feskekörka (1874) am Wallgraben ist eine im Stil einer gotischen Kirche errichtete Fischmarkthalle ;-)

Hovrätten (Appelationsgericht) und der Kanal

Casino

Was das für ein Gebäude ist, weiss ich nicht. Hat aber sicher was mit dem Hafen zu tun

Karte meiner Tour durch Göteborg:


View Larger Map

Am Sonntag Abend bin ich dann voll kaputt wieder nach Hause geflogen. In Stockholm hat mich fast der Schlag getroffen. Pünktlich zum Frühlingsanfang gabs Neuschee ;-) . Langsam habe ich wirklich genug vom Winter und sehne mich nach dem Frühling in der Schweiz.


Eine Antwort zu „In Göteborg bei John“

  1. Eltern sagt:

    Hoi Marco
    Du kannst dich freuen — wir haben Frühling. Morgen soll das Thermometer bis 20° klettern. In 10 Tagen Stockholm und Winter adieu.
    Jetzt schon willkommen zu Hause — hoffentlich im Frühling.
    Gruess Mami

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